Alpine und toyota ringen um die letzten 100.000-euro-coupés

Die Zeit läuft ab. Unter 100.000 Euro gibt es nur noch zwei echte Sportwagen-Schlachtschiffe mit Sechs- oder Vierzylinder-Turbo: die Alpine A110 und die Toyota Supra. Alles andere ist entweder ein Roadster, ein Elektro-Spielzeug oder ein 200.000-Euro-Superlativ.

Warum gerade diese beiden überlebt haben

Warum gerade diese beiden überlebt haben

Alpine baut die A110 seit 2017 in Dieppe, Frankreich. 1.103 Kilogramm Leergewicht, Mittelmotor, 1,8-Liter-Turbo, Hinterradantrieb – das ist purer Rückwärtsgang in die 1970er-Jahre, nur mit heutiger Abgasreinigung. Toyota holte sich für die Supra die Plattform von BMW: Z4-Technik, 3,0-Liter-Reihensechs, 340 PS, aber ein Dach statt Stoffverdeck. Beide Autos sind Relikte aus einer Ära, in der Sportlichkeit noch mit Leichtbau statt mit Kilowatt zählte.

Die CO₂-Flottenziele der EU machen kleine Produktionszahlen fast unmöglich. Alpine kann sich nur retten, weil die Mutter Renault die Quote mit Elektroflotten auffängt. Toyota zahlt in München drauf, verkauft aber weltweit genug Hybrid-SUV, um die Supra durchzufüttern. Die Rechnung: 1.000 Supras pro Jahr für Europa reichen, um das Image aufzupolieren – und das reicht den Japanern.

Lotus schickt noch die Emira nach, kostet aber 99.900 Euro in der Vierzylinder-Version. Wer Sechs-Zylinder will, zahlt 118.000 Euro. Damit ist die Emira kein Underdog mehr, sondern ein halbwegs günstiger Exot. Die Grenze von 100.000 Euro ist psychologisch wichtiger als jede technische Kennzahl.

Die Fahrleistungen? Alpine schafft 4,5 Sekunden auf 100 km/h, liegt aber 80 PS unter der Supra. Die braucht 4,3 Sekunden, wiegt aber auch 200 Kilo mehr. Auf der Landstraße spielt das Gewicht, auf der Autobahn die Leistung. Die Entscheidung fällt nicht auf dem Papier, sondern in der ersten Kurve nach dem Ortsausgangsschild.

Beide Hersteller schweigen über Nachfolgemodelle. Alpine experimentiert mit einem Elektro-A110-Prototyp, Toyota prüft eine Hybrid-Plattform. Doch bis 2027 bleiben die aktuellen Modelle im Programm. Danach könnte die Preisgrenze bei 120.000 Euro liegen – und die Käuferzahlen schrumpfen auf ein paar Hundert pro Jahr.

Der Markt für bezahlbare Coupés ist keineswegs tot, er wird nur kleinteilig. Wer heute zugreift, kauft nicht nur ein Auto, sondern ein Stück Sportwargeschichte – und zahlt dafür weniger als ein gut ausgestatteter VW Tiguan. Die nächste Generation wird uns für diesen Spaß verfluchen.