50 Jahre nach dem europapokal-halbfinale: zwickau feiert sich selbst – und jagt den nächsten rekord
Ein Trabi, 1.500 Fans und ein Stadion, das seit 26 Heimspielen keinen Zwickauer Sieger mehr gesehen hat – das ist keine Retro-Show, das ist der Gegenwarts-Triumph des FSV Zwickau. Vor 50 Jahren schlug die BSG Sachsenring Celtic Glasgow aus dem Europapokal der Pokalsieger, am Dienstag holte die Regionalliga-Truppe den Rekord der Würzburger Kickers ins Visier. Zwischen diesen beiden Daten liegt ein Absturz mit drei Millionen Euro Schulden und einem Kader aus zwölf verbliebenen Profis. Die Wiederauferstehung hat ein Gesicht: Robin Lenk.
Robin lenk baute aus trümmern eine siegmaschine
Der Sportdirektor kam, sah – und räumte auf. Schulden sanken von drei auf unter eine Million Euro, der Spielerkader wuchs von zwölf auf 25 qualitativ hochwertige Regionalliga-Kräfte. „Wir haben aus dem Scherbenhaufen keinen Museumstrupp gemacht, sondern einen Gegner, den niemand mehr gerne nach Zwickau lotsen will“, sagt Lenk. Die Bilanz: 26 Heimspiele ohne Niederlage, Platz vier der Vorjahres-Saison, aktuell auf Aufstiegskurs. Nur zwei Punkte trennen die Schwäne vor dem Zweiten, ein Spiel liegt noch in der Hinterhand.
Die Zahlen sind lautstark. Das Westsachsenstadion, genannt „Halde“, verwandelte sich in eine Festung, in der selbst Top-Teams wie Hertha BSC II oder Carl Zeiss Jena punktlos blieben. Die Fans spüren das. 1.500 marschierten am Dienstag im Gefolge zweier Trabis zur Ehrentafel für die Europapokal-Helden von 1976. Jürgen Croy stand neben Rico Schmitt, der aktuelle Coach, der die Elf seit 26 Partien daheim nicht mehr verlor – ein Regionalliga-Bestwert, der nur sieben Spiele hinter dem Rekord der Würzburger Kickers liegt.

Der plan: 60 punkte und oben dranbleiben
Lenk schmunzelt, wenn er vom „kleinen gewissen Etwas“ sprielt. Gemeint ist die fehlende Konstanz auswärts. Punkte liegen dort noch zu leichtflüssig auf dem Rasen. „Wir gehören zu Recht zur Spitzengruppe der ersten Fünf. Jetzt wollen wir über 60 Punkte und Platz vier oder besser“, lautet die klare Marschrichtung. Ein Sieg in Halle würde den Rückstand auf Rang zwei verkappen, bei einem Nachholspiel im Rücken. Die Spannung steigt, der Kalender tickt.
Die Botschaft des Abends war eindeutig: Geschichte ist kein Relikt, sondern Treibstoff. Als Croy die neue Legendentafel enthüllte, stand neben ihm nicht nur die Vergangenheit, sondern auch Mittelstürmer Daniel Hanslik, der in dieser Saison bereits 13 Tore erzielte. Die Symbiose von damals und heute funktioniert. Die Fans singen „We love Zwickau“, der Verein liebt sie zurück – mit Transparenz, Schuldenabbau und Siegen. Wer jetzt noch denkt, Traditionspflege sei bloß Nostalgie, hat die letzten 26 Heimspiele nicht verfolgt.
Die Schwäne jagen den Rekord, die Kasse ist saniert, das Stadion ausverkauft. Die 50-Jahr-Feier war kein Rückwärtsgang, sondern ein Startschuss: Der Aufstieg ist das Ziel, der Weg längst in trockenen Tüchern. Wenn am Sonntag in Halle Anstoß ist, fährt vielleicht wieder ein Trabi voraus – diesmal nicht ins Museum, sondern Richtung Oberliga.
