120 Jahre coppa milano-sanremo: oldtimer rasen 700 km durch drei regionen
Vom 26. bis 29. März 2026 heult wieder Historie: 90 Automobile zwischen Lancia Lambda und Ferrari 296 GTB rollen bei der XVII. Coppa Milano-Sanremo über 700 Kilometer von Mailand an die Blumenriviera. Die Wagen sind jünger als das Rennen – das wird 120.
Organisator Gianpaolo Sacchini verrät, warum das Jubiläum auf dem Original-Roadbook von 1906 basiert: „Wir wollen nicht nur Chrom und Leder zeigen, sondern das italienische Lebensgefühl auf drei Rädern und vier.“ Die Strecke führt durch Mailand, Tortona, Genua, Acqui Terme und endet auf dem Dach des San-Remo-Casinos.
Der geist von costamagna lebt auf
1906 forderte Eugenio Camillo Costamagna, Chefredakteur der Gazzetta dello Sport, die Radler des Giro di Lombardia heraus: „Wollt ihr schneller? Steigt ins Auto!“ Die damals 8.000-Lire-Grenze für startberechtigte Kleinwagen machte das Rennen zum Volkssport; heute sind es Youngtimer bis Baujahr 2000 und moderne Supersportwagen, die sich die Querverbindung zwischen Regionen und Epochen erkämpfen.
Die erste Prüfung steigt am 26. März auf dem Autodromo Nazionale Monza, bevor die Karawane am 27. beim Hippodromo Snai San Siro startet. Zwischenstopps: Castello di Piovera im Monferrato und der sonst verschlossene Circolo Tunnel in Genua, einst Treffpunkt von Dumas und Verdi. Samstag entscheiden Steiltests in Loano und Acqui Terme, Sonntag steht Sanremo im Blütenduft.
Oldtimer sind profis – und touristen
Pietro Meda, Präsident des Automobile Club Milano, nennt die Bilanz: „Wir verbinden Sportlichkeit mit Lifestyle-Tourismus. Wer hier teilnimmt, kauft Olivenöl, bucht Hotels und postet Bilder, bevor das Lenkrad kalt ist.“ Die Regionen Lombardei, Piemont und Ligurien werben mit Patenschaften, Kommunen stellen Denkmäler und Küstenabschnitte frei. Der Clou: Fahrzeuge ab 1906 bis 2000 starten in einer Wertung, Supersportwagen in einer eigenen Kategorie – Chrom und Carbon nebeneinander.
Die Starterliste liest sich wie ein Museumsführer: Bugatti Tipo 35, Alfa Romeo 6C, Porsche 911 GT3 RS. Titelverteidiger Daniel Erejemovich bringt seine Alfa aus Argentinien mit – und verspricht: „Wenn mein 1929er 6C das Casino erreicht, bezahle ich den Champagner.“
120 Jahre nach Costamagnas Provokation ist das Rennen kein Relikt, sondern ein PS-starkes Argument für Italien als Reiseziel. Die Fahrer wetteifern um Sekunden, die Regionen um Gäste. Wer am 29. März den Ausblick von Sanremo genießt, sieht nicht nur das Mittelmeer – sondern die italienische Geschichte auf vier Rädern, die mit 70 km/h in die Gegenwart rauscht.
