Autobahn-prophezeiungen: warum das auto doch nicht stirbt!
Die Zukunft der Mobilität – ein Minenfeld aus Versprechen und Visionen. Vor Jahren prophezeiten Experten den baldigen Untergang des Individualverkehrs, die Herrschaft der E-Scooter und das Ende der Stau-Qual. Doch die Realität sieht anders aus. Eine aktuelle Studie von Bain & Company zeigt: Das Auto bleibt unser treuester Begleiter, stärker als viele dachten.

Der rollator-effekt: warum monopatins nicht die städte verändern
Es ist ein bekanntes Phänomen: Manchmal überschätzt man den Einfluss neuer Technologien. So wurden beispielsweise E-Scooter als Revolution der urbanen Mobilität gefeiert, doch sie haben die Städte nicht grundlegend verändert. Vielmehr bestätigen die Zahlen, dass der überwiegende Teil der Menschen – über 75 Prozent – weiterhin auf das Auto als primäres Verkehrsmittel setzt. Das ist nicht nur eine Frage der Gewohnheit, sondern auch der praktischen Notwendigkeit.
Gianluca Di Loreto, Partner bei Bain & Company, verdeutlichte auf einer Veranstaltung in Mailand, dass die Automobilindustrie in der Vergangenheit oft auf Annahmen setzte, die nicht der Realität entsprachen. Produkte und Dienstleistungen wurden entwickelt, in der Erwartung einer Nachfrage, die schlichtweg nicht vorhanden war. Das Ergebnis: Fehlinvestitionen und enttäuschte Erwartungen.
Doch was genau waren diese falschen Prophezeiungen? Neben dem bereits erwähnten E-Scooter-Hype wurden auch die Online-Verkauf von Autos, der Segway als Autoersatz und das Carsharing-Modell als Allheilmittel für Staus als Zukunftsprognosen angepriesen. Allein die Vorstellung, dass wir bald ausschließlich Elektroautos fahren würden, entpuppte sich als zu vereinfacht.
Die Lehre daraus ist klar: Der Konsument und seine Bedürfnisse müssen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Es geht darum, Produkte und Preise so anzupassen, dass sie den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Eine pragmatische Herangehensweise, kombiniert mit wirtschaftlicher Zugänglichkeit und einer realistischen Energiewende, ist der Schlüssel zum Erfolg.
Die Automobilhersteller erkennen das langsam. Einige setzen bereits auf eine stärkere Fokussierung auf die Bedürfnisse des Kunden, auf erschwingliche Modelle und eine weniger ideologisch geprägte Elektromobilität. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Es ist ein Umdenken, das der Branche dringend notwendig war – denn die Zukunft der Mobilität wird nicht von Prophezeiungen, sondern von der Realität geschrieben.
Die Branche muss sich jetzt neu ausrichten. Nicht auf radikale Utopien, sondern auf die Bedürfnisse der Menschen. Und das bedeutet: Das Auto wird uns noch eine Weile begleiten, auch wenn es sich verändert. Eine Studie von Bain & Company belegt: Wer nach dem Ende des Autos rief, hat sich geirrt. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Individualverkehr bleibt – vorerst – König.
