Ausgerechnet jetzt: priska ming-nufer fällt mit meniskusriss für den rest der saison aus
Die Schweizer Speed-Damen verlieren ihre erfahrenste Kämpferin. Priska Ming-Nufer, 34, erlitt in Soldeu einen Teilabriss des Außenmeniskus im rechten Knie – und damit das nächste Drama im ohnehin verletzungsgeplagten Kader.
Der sturz, der nicht einmal spektakulär war
Kein Fels, keine Netze, kein TV-Bild. Die Obwaldnerin spürte bei der Abfahrt schon nach den ersten Sekunden ein schmerzhaftes Ziehen, fuhr dennoch zu Ende, verzichtete dann aber auf Start zwei und drei. Zurück in der Schweiz lieferte die MRT die Diagnose: operativ, sofort, Saison vorbei.
Für Ming-Nufer ist es der dritte Meniskus an derselben Seite – ein Makel, der sich wie ein eingebauter Countdown anfühlt. „Ich habe gespürt, dass etwas richtig falsch läuft“, sagte sie kurz vor der Arthroskopie. „Aber ich wollte nicht aufgeben, solange das Rennen noch läuft.“

Warum das timing weh tut
Die Speed-WM in Saalbach steht in vier Wochen. Die Schweiz hatte gerade wieder ein komplettes Quartett zusammen: Gut-Behrami, Gisin, Suter, Flury – und Ming-Nufer als mentale Stütze. Nun fehlt die Einzige, die schon drei Olympia-Zyklen überlebt hat, die im Training die jungen Wilden anpfiff und im Rennen die Linien erklären konnte.
Trainer Kurt Ryding muss auf Corinne Suters Erfahrung zurückgreifen, obwohl diese selbst noch im Comeback nach ihrer Knie-OP steckt. Die Alternativen: zwei 21-Jährige, die noch nie eine WM-Bahn bei Eis gesehen haben.
Die zahlen, die ming-nufer quälen
17 Starts, null Top-Ten. Ihre beste Platzierung: Platz 23 in St. Moritz, vorletzter Sonntag 25 in Soldeu. Für eine Athletin, die 2018 noch auf dem Podest stand, wirken die Werte wie ein Fremdkörper. „Ich habe nicht mehr die Geschwindigkeit der Platte“, gestand sie schon vor der Verletzung. „Aber ich habe die Geschwindigkeit im Kopf – und die reicht manchmal.“
Die Vertragsverhandlungen mit Swiss-Ski laufen. Einen neuen Kontrakt gibt es nur bei Leistung. Jetzt sitzt sie im Wartezimmer des Orthopäden und weiß: Die Uhr läuft gegen sie.
Was die abfahrt in saalbach ohne sie verliert
Die Streif der Damen ist kein Kindergeburtstag. 3,2 Kilometer, 860 Höhenmeter, eine Passage namens „Kammschuss“, wo die Skier auf 110 km/h beschleunigen. Wer dort zum ersten Mal startet, braucht jemanden, der vorher erklärt, wo der Schatten den Schnee versteckt. Ming-Nufer war diese Stimme. Jetzt herrscht Stille.
Für die Zuschauer heißt das: weniger Story, mehr Risiko. Die FIA will Sicherheit, die Trainer wollen Punkte, die Athleten wollen überleben. Eine Stimme fehlt, die alle drei Seben verbindet.
Die saison endet nicht mit einem knall, sondern mit einem wimmern
Am Samstag fliegt das Team nach Kanada, ohne Ming-Nufer. Sie bleibt in Root, trainiert Oberkörper, liest Arztbriefe. Die nächste Saison beginnt in sechs Monaten – ein halbes Jahr, in dem sich das Knie heilen und der Vertrag erneuern muss. „Ich werde nicht mit 35 aufhören“, sagt sie. „Nur mit 35 wird man nicht mehr jünger.“
Die Schweiz verliert eine Athletin, die Speed-Damen verlieren ihre Erinnerung, und Priska Ming-Nufer verliert ein halbes Jahr. Die WM in Saalbach wird ohne sie stattfinden – und genau das ist das Problem.
