Argentinien gewinnt, aber zittert: skaloni und martínez schlagen alarm
Ein Sieg, der nach Niederlage schmeckt. Argentiniens 2:1 gegen Mauretanien in La Bombonena löste keine Euphorie aus, sondern ein Krisengespräch. Noch auf dem Rasen sprachen Lionel Scaloni und Emiliano Dibu Martínez Klartext – und das mit gutem Grund.
Die zweite hälfte war ein albtraum
Während der ersten 45 Minuten lief noch alles nach Plan, drehte Mauretanien nach dem Seitenwechsel auf. Die Statistik von Sofascore ist gnadenlos: acht Torschüsse für die Afrikaner, nur einer für den Weltmeister. Die 64 % Ballbesitz der Argentinier wirkten wie ein Lippenbekenntnis, denn Mauretanien gewann mehr Zweikämpfe (55 zu 47) und schnittte öfter dazwischen (13 gegen 7).
Martínez schüttelte nach Abpfiff den Kopf: „Wir müssen besser um den Schritt mitkommen. Die Gegner kannten wir kaum, aber das ist keine Entschuldigung. Es fehlte Herz.“ Dann der Satz, der landesweit in den Titelschlagzeilen landete: „Gott sei Dank wurde die Finalissima gegen Spanien abgesagt – so hätten wir verloren.“

Scaloni zieht selbstkritische bilanz
Der Trainer nahm seine Spieler in die Pflicht, ohne Einzelne herauszupicken. „Wenn das Kollektiv nicht funktioniert, kann sich kein Profi retten“, sagte Scaloni. Er betonte, dass die niedrige Intensität kein Frage der Motivation, sondern der Umsetzung sei. „Wir dachten, der Gegner würde nachgeben. Stattdessen lief er uns über den Haufen.“
Die Folgen sind mehr als ein warmes Bad der Selbstkritik. Die Analyseabteilung des Verbands lieferte innerhalb von 24 Stunden einen 35-seitigen Bericht, in dem steht: „Druck nach Ballverlust: nur 1,8 Sekunden – zu lang.“ Die Zahl kursiert inzwischen in WhatsApp-Gruppen der Fans und ist zum Synonym für die mangelnde Aggressivität geworden.

Die uhr tickt bis zur wm
Mit nur noch zwei Testspielen bis zum Turnier in den USA steht Argentinien unter Zugzwang. Die physio-Staffel erhöhte die Trainingsintensität um 12 %, gleichzeitig wurden Spielformate mit Überzahl-Situationen verpflichtend. Scaloni will keine weiteren Experimente mehr: „Wir wissen, wer spielt. Jetzt geht es darum, die Maschine wieder auf Hochtouren zu bringen.“
Martínez hatte das letzte Worte. Vor den Kameras der TV-Station TyC Sports kniff er die Augen zusammen: „Ein solcher Abfall nach dem Seitenwechsel darf sich im Juli nicht wiederholen. Die Weltmeister-Trophäe hat kein Gedächtnis, aber die Konkurrenz schon.“
Argentinien flog mit einer Niederlage im Gepäck nach Hause – trotz drei Punkten. Die nächste Woche entscheidet, ob das Spiel von La Bombonera als Weckruf in die Geschichte eingeht oder als Vorbote eines frühen Ausscheidens.
