Arda güler wirft die türkei zurück auf die wm-bühne

Istanbul bebt. 24 Jahre nach dem letzten WM-Tanz schickt ein 21-Jähriger die Türkei mit einem einzigen Pass in Richtung USA. Arda Güler, noch kein Haar auf der Brust, aber schon der König von Besiktas Park.

Der Real-Madrid-Zauberer stand hinter dem Ball, zog die rechte Spann rein – und Rumänien auseinander. 30 Meter Traumstafette, genau in Lücke zwischen zwei Abwehrreihen. Ferdi Kadioglu nahm das Geschenk an, netzte zum 1:0 (53.). Die 45 000 in der Hütte schrien sich die Seele aus dem Leib. Die Rumänen wirkten wie gelähmt. Ihr 80-jähriger Bundestrainer Mircea Lucescu starrte nur. Sein letzter WM-Traum zerbarst.

Das tor war nur halb güler, ganz türkei

Das tor war nur halb güler, ganz türkei

Vor der Pause hatte der Youngster selbst noch die Latte geküsst (32.). Nach dem Seitenwechstel lieferte er die entschehende Szene. Kommentator Julian Engelhard bei DAZN sprach von einem „Traumball“, doch das Wort trägt nicht. Güler sah die Lücke früher als alle anderen. Sein Pass war keine Glanznummer, sondern ein Statement: Ich gehöre auf die Weltbühne.

Rumänien antwortet mit Holz. Ianis Hagi schiebt den Ausgleich knapp vorbei (55.), Nicolae Stanciu trifft nur den Pfosten (77.). Die Luft ist raus. Für sie wird es keine Endrunde geben, seit 1998 wartet das Land auf eine WM. Die Türkei dagegen steht vor dem Sprung in Gruppe D – gegen Gastgeber USA, Paraguay und Australien.

Dienstag geht’s nach Bratislava oder Pristina. Gegner wird der Sieger des heutigen Duells Slowakei – Kosovo (20.45 Uhr). Wer auch immer kommt: Er trifft auf eine Mannschaft, die endlich wieder an große Tage glaubt. Und auf einen 21-Jährigen, der mit jedem Ball die eigene Zukunft und die Vergangenheit der Nation neu schreibt.

Die letzte türkische WM war 2002, damals Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Brasilien. Diesmal wollen sie weiter. Die Fakten sprechen für sie: kein Gegentor im Playoff, ein Güler in Topform, ein Land, das sich nach 24 Jahren endlich wieder selbst feiert.