Ard und zdf raus: prosieben überträgt jetzt die dhb-helden
Keine 100 Tage nach dem EM-Rausch auf ARD und ZDF müssen Handball-Fans umschalten. Die nächsten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft laufen nicht im Ersten oder im ZDF, sondern bei ProSieben. Der Sender kaufte sich für die kommenden sechs Jahre tief ins Handball-Geschäft ein – und schaltet schon am Donnerstag live ab 17.45 Uhr den Ägypten-Doppelpack gegen die «Pharaonen».

Warum die öffentlich-rechtlichen plötzlich leer ausgehen
Die Antwort ist einfach: Geld plus Strategie. ProSiebenSat.1 sicherte sich nicht nur alle WM-Spiele der DHB-Teams bis 2031, sondern auch rund 60 Länderspiele. ARD und ZDF hatten kein Paket mehr, das sie halbwegs wettbewerbsfähig machte. Die Folge: Handball verschwindet aus dem gemeinschaftsfinanzierten Programm – und taucht im werbefinanzierten Free-TV auf. Für den DHB ein Milliarden-Deal, für Zuschauer ein Kulturschock.
Die Premiere lief schon bei ProSieben MAXX: Slowenien gegen Deutschlands Frauen, moderiert von Andrea Kaiser, kommentiert von Tobias Schimon, analysiert von Lucie-Marie Kretzschmar. Die Quote? Solide, aber kein Knaller. Dennoch zieht der Sender durch und setzt am 19. und 22. März auf das gleiche Trio – plus Silvio Heinevetter. Der ehemalige Weltklasse-Keeper fungiert als TV-Experte an der Seite von Florian Schmidt-Sommerfeld. Vor Ort in Dortmund und Bremen recherchiert Christoph „Icke“ Dommisch, bekannt vom ran-Football.
Ein halbes Stündchen Anlauf, ein halbes Stündchen Nachspielzeit – so plant ProSieben Sendezeit, die bei ARD und ZDF oft beliebig in die Länge gezogen wurde. Für Puristen ein Segen, für Nostalgiker ein Grund zum Weinen. Denn mit dem Wechsel verschwindet auch das gemeinschaftsfernsehmäßige Ritual: Keine 45-minütigen Nachbereitungen, keine tiefen Gespräche im Nachtstudio. Stattdessen: Tempo, Clips, Social-Media-Integration.
Die DHB-Spieler selbst reagieren gelassen. Juri Knorr und Julius Kühn betonen, dass die Marke Handball unabhängig vom Sender lebt. Trotzdem: Der Komfort der Öffentlich-Rechtlichen – jeder kann mit der Fernbedienung zappen und ist sofort dabei – weicht der App-Welt von ProSieben. Wer nicht einschaltet, verpasst. Und genau darauf setzt der Sender. Er will jung, digital, schnell sein. Die Frage ist nur: Will das Handball-Publikum das auch?
Fakt ist: Die Rechte sind verkauft, die Kasse des DHB ist voll. Ob das Spiel gegen Ägypten 1,5 oder 3 Millionen Zuschauer bringt – ProSieben hat langfristig kalkuliert. Für Fans heißt es: Programmieren, streamen, umstellen. Die Ära ARD/ZDF ist vorbei – und keiner weiß, ob sie jemals zurückkommt.
