Arbeloa schreibt real-madrid-geschichte und zückt bereits den stift fürs bayern-buch

Mit einem Schmunzeln, das fast schon herausfordernd wirkt, stand Álvaro Arbeloa in der Mixed-Zone von Manchester. „Ich schreibe dir ein Buch, wenn du willst“, sagte er und meinte damit nicht die Autobiografie, die er irgendwann einmal veröffentlichen wird, sondern das Skript für die Champions League 2024/25. Nach dem 2:1 bei Manchester City ist Real Madrid im Viertelfinale, und der 37-jährige Coach hat in seiner ersten Saison als Cheftrainer bereits etwas vollbracht, das nic einmal Mourinho, Ancelotti oder Zidane geschafft haben: vier K.-o.-Spiele, vier Siege – gegen Benfica, gegen City, gegen die Zweifel.

Arbeloa besiegt guardiola und mourinho in einem jahr

Die Zahlen sind schon jetzt eine Ansage: vier Siege in vier Duellen, elf Tore erzielt, nur zwei kassiert. Dazu kommt das Novum, dass er in einer einzigen Spielzeit sowohl José Mourinho als auch Pep Guardiola schlagen musste – und schlug. „Das heißt nur, dass ich Spieler habe, die einfach der Hammer sind“, sagt Arbeloa und schiebt die Eigenlob-Falle beiseite. Dabei weiß er genau: Diese Statistik schreibt sich nicht nur in die Excel-Listen der Analysten, sondern auch in die Köpfe der Kontrahenten. Wer Real Madrid jetzt sieht, sieht eine Mannschaft, die nicht mehr reagiert, sondern diktiert.

Der Blick geht bereits nach München. Wenn die Lose am Freitag springen, ist Bayern München die wahrscheinlichste Adresse. Arbeloa redet nicht drum herum. „Bayern gehört zu den formstärksten Mannschaften Europas“, sagt er und schwärmt dann doch kurz von der „Spielweise“ und dem „Niveau“ der Deutschen. Das Rückspiel in der Allianz Arena nennt er „besonders herausfordernd“. Kein Wunder: Wer die Bestia Negra heißt, macht auch vor Königsklassen-Auskunft nicht halt. Die Bilanz der letzten zwölf Jahre spricht für sich: vier von fünf Duellen gewann Bayern, zuletzt das 3:1 im Vorjahres-Viertelfinale.

Vinicius und bellingham liefern die beweise auf dem platz

Vinicius und bellingham liefern die beweise auf dem platz

Während Arbeloa vor Mikrofonen Strategie predigt, liefern Vinicius Junior und Jude Bellingham die Beweise auf dem Rasen. Der Brasilianer traf in Manchester doppelt, der Engländer bereitete das 2:1 vor und lief 94 Minuten mit der Aura eines Mannes, der spürt, dass Geschichte geschrieben wird. „Wenn du die Königsklasse gewinnen willst, musst du gegen die Besten gewinnen“, sagt Arbeloa. Das klingt nach Klischee, ist aber Real-Madrid-Realität seit 1956. Die 15. Trophäe wird nicht geschenkt, sie wird erzwungen.

Die Stimmung im Estadio Santiago Bernabéu kocht bereits. Die grada hat verstanden: Diese Mannschaft ist nicht einfach nur jung, sie ist unverschämt schnell im Kopf. Arbeloa selbst wirkt wie ein Student, der nebenbei den Master macht – und nebenbei die Champions League gewinnt. „Wir hätten es nicht geglaubt“, sagt er und meint damit nicht nur die Siege, sondern die Geschwindigkeit, mit der seine Idee Fuß fasst. Hoher Block, schnelles Umschaltspiel, maximale Vertikalität: Das ist nicht mehr Ancelotti-Light, das ist Arbeloa-Pur.

Am Horizont zeichnet sich ein Super-Viertelfinale ab: Real Madrid gegen Bayern München, Arbeloa gegen Vincent Kompany, Vinicius gegen Davies, Neuer gegen Lunin. Die erste Frage lautet nicht mehr: „Schafft Real Madrid das Halbfinale?“ Die Frage lautet: „Wie viele Kapitel schreibt Arbeloa noch, bevor er tatsächlich dieses Buch veröffentlicht?“ Die Antwort liegt in den Füßen seiner Spieler – und in der Aura des Bernabéu, die seit 120 Jahren jeden Gegner ein wenig kleiner werden lässt.