Aprilia baut x 250th: 240 ps, carbon-bremse, 115 000 euro – nur fünf für europa
Die Hand voll reicht. Aprilia hat in Austin die X 250TH enthüllt – ein 165-Kilo-Carbon-Geschoss mit MotoGP-Bremse und 240-PS-V4. Von 30 Exemplaren weltweit bleiben für Europa gerade mal fünf übrig. Der Preis: 115 000 Euro plus Mehrwertsteuer, also knapp 137 000 Euro, die man überweisen muss, bevor der erste Gasgriff dreht.
Stars-and-stripes-carbon: so sieht unabhängigkeit aus
Die Lackierung zitiert die US-Flagge, doch unter der Kleidung arbeitet reines Rennsport-Kalkül. Die Doppelschwinge, Sitzverkleidung und Tank sind bei Pan Compositi in Autoclaves geschichtet, wie bei der RS-GP. Vier Flügelpaare – Front-, Seat-, Tail- und Under-Wings – erhöhen den Abtrieb in Kurven auf das Dreifache, auf der Geraden sogar auf das Fünffache gegenüber der Serien-RSV4. Resultat: weniger Wheelie, mehr Haftung, höherer Schleuderspielraum.
Doch der Blick auf die Außenlinie tägt. Der echte Knaller sitzt in der Mitte des Rades.

Carbon-carbon-bremse: formel-1-technik für die landstraße
Erstmals montiert Aprilia an einem Kundenmotorrad das Carbon-Carbon-System aus der MotoGP. 340-mm-Scheiben vorn, pastillenreine Carbon-Bremsbeläge, Kühlrippen-Aluminium-Sättel – alles identisch mit den Werkspiloten. Gewichtsersparnis: 1,2 kg pro Scheibe. Wärmeleitfähigkeit: konstant zwischen 400 und 800 °C. Wer nach zehn Runden auf dem Nürburgring noch mit gleichen Druckpunkten bremst, spart Sekunden – und Nerven.
Öhlins liefert die mechanische FKR-Gabel und die TTX-Piggy-Back-Dämpfer, Marchesini die Magnesium-7-Speichen-Räder, Pirelli die handwarmen Diablo-SBK-Slick. 165 kg Trockengewicht bei Volltank – das ist 18 kg weniger als eine RSV4 1100 Factory.
240 Ps aus 1,1 liter: der v4 atmet racing-luft
Der 65-Grad-V4 lechzt durch ein Sprint-Filter-Race-Airbox und ein Titan-Doppelrohr von SC-Project. 13 750 Touren spuckt er 240 PS aus, 11 750 Umdrehungen 131 Newtonmeter. Drehzahlbegrenzer greift erst bei 14 100/min – genug Reserve für die lange Galgenkurve von Mugello. Eine Trockenkupplung von STM trennt die Kräfte, ein Titan-Kettenblatt und leichtgebauter PBR-Pinion übertragen sie.
Die Elektronik kommt aus dem Superbike-Weltmeister-Regal: Aprilia Racing Apx-ECU, GPS-basierte Zylinder-mapping-Programmierung, Traktions-, Wheelie- und Motorbremse pro Gang einstellbar. Im Paddock legt der Käufer ein Notebook auf, verändert Charakteristiken, lädt Streckendaten – und fühlt sich für einen Nachmittag wie Aleix Espargaró.

30 Bikes, drei kontinente, ein konto
25 Maschinen bleiben in den USA, fünf reisen nach Europa. Aprilia liefert Startnummern, Bügelständer, Heizdecken und ein Schutzhülle-Set mit. Wer zuerst zahlt, reserviert das Bike mit der gewünschten Startnummer – Sammlerstück und Tracktool zugleich. Die 250TH ist zugelassen, aber nicht gedämpft; wer sie auf der Landstraße fährt, wird von jeder Radar-Falle lieben gelernt.
Die Botschaft ist klar: Aprilia baut keine Motorräder mehr für alle, sondern für wenige mit viel. 137 000 Euro sind viel Geld – aber sie kaufen die einzige Straßenmaschine mit MotoGP-Bremse, die man momentan bekommen kann. Und wenn die fünf europäischen Exemplare weg sind, dauert es vermutlich wieder ein Jahr, bis Aprilia die nächste X-Nummer zieht.
