Antonia stautz wirft den mtv-anhang in ekstase – und dann? italien ruft
3:0 in Erfurt, Halbfinale gebucht, 32 Minuten Spielzeit – und trotzdem war der Mittwochabend ganz Antonia Stautz. Die Kapitänin feuerte ihre Kolleginnen an, schlug selbst den letzten Punkt, lief zur Fan-Kurve, schloss die Augen. Vier Wochen noch, dann ist Schluss in Stuttgart. Danach beginnt ein neues Kapitel – und es liegt nicht in Thüringen.
„Ich gehe, aber nicht nach suhl“
Die Gerüchte brodelten seit Wochen: Wechselt die Nationalspielerin zum Pokalsieger VfB Suhl, 70 Kilometer von ihrem Freund Jannis Schneibel entfernt, der seit zwei Kreuzbandrissen bei ThSV Eisenach um sein Comeback kämpft? Stautz stoppte die Spekulationen mit einem Satz. „Es ist schon immer ein Traum von mir gewesen, im Ausland zu spielen.“ Italien, Polen, Türkei – Vereine aus allen drei Ligen haben bereits angeklopft. Ein konkretes Angebot liegt offenbar von Florence Volley vor, dem Tabellenzweiten der Serie A1. Die Engadin-Option zieht: Mehr Sonne, mehr Geld, mehr Risiko – und eine letzte große Liebe zum Volleyball, bevor die 32-Jährige den nächsten Schritt plant.
Im MTV-Lager herrscht trotzdem kein Trauern. Trainer Luka Slabe baut seine Mittelblockerin weiter auf. „Toni ist unser Herzstück. Wenn sie mit dem Pokal in der Hand nach Florenz fliegt, haben wir alle gewonnen.“ Die Statistik gibt ihm recht: In den beiden Play-off-Spielen gegen Erfurt kam Stautz auf 38 Annahmen, nur zwei Fehler – ein Plus von 14 Punkten gegenüber dem Saisondurchschnitt.

Das halbfinale wird härter als erwartet
Gegner wird vermutlich SC Potsdam, nach dem 3:1 gegen Münster nur noch einen Satz vom Einzug entfernt. Die Brandenburgerinnen haben die beste Block-Quote der Liga, 2,8 pro Satz – genau die Schwäche, die Stuttgart in der Viertelfinal-Serie zeigte. Slabe schickte deshalb schon vor dem Sieg in Erfurt die Scout-Videos an seine Spielerinnen. „Wir müssen schneller umschalten, sonst wird es knapp“, sagte er nach dem Spiel, während Stautz noch Autogramme schrieb.
Ostersonntag, 5. April, 16.45 Uhr, SCHARRena – 5.000 Tickets bereits weg. Der Klub rechnet mit einer ausverkauften Halle, dem ersten Mal seit 2019. Sollte die Serie drei Spiele gehen, fliegt der MTV am Gründonnerstag nach Potsdam – und kehrt am Ostermontag zurück. Drei Tage, zwei Städte, ein Titel. Für Stautz wäre es der erste Meistertitel überhaupt. „Ich will nicht nur Abschied, ich will Geschichte“, sagte sie vor den Kameras. Die Kameras lieben sie dafür.
Und dann? Ein Koffer Richtung Süden, ein Abschiedsgruß an den Neckar. Antonia Stautz wird nicht mehr warten. Die Meisterschale soll ihr als Gepäck dienen – und Stuttgart als Erinnerung an eine Spielerin, die geht, weil sie noch einmal alles geben will.
