Antonelli zerstört 20-jahre-fluch: italiens neuer held kommt aus bologna
Kimi Antonelli hat in Shanghai nicht nur ein Rennen gewonnen – er hat ein ganzes Land aus der Sport-Koma geholt. Mit 19 Jahren. Mit italienischem Pass. Und mit einem Mercedes, der plötzlich wieder wie ein Silberpfeil aussieht.
Die Zielflagge fiel um 13:58 Uhr Ortszeit, da brach in Bologna, Neapel, Mailand ein Jubel los, der sich nicht mehr stoppen ließ. Zwanzig Jahre. Zweihundertdreizehn Grand Prix seit Giancarlo Fisichellas letztem Sieg 2006. Eine ganze Generation von Tifosi, die nur noch mit YouTube-Videos erklären konnte, wie ein italienischer Champagnerregen schmeckt.
„Es ist kein traum!“ – die zeitungen schreien
Die Gazzetta dello Sport druckt in roten Lettern über die komplette Titelseite: „Grazie, Kimi – Italien kann wieder träumen.“ Die Corriere della Sera zitiert einen anonymen Fan vor der Rennstrecke: „Ich hab meinem Sohn immer gesagt, italienische Siege gibt es nur in Schwarz-Weiß-Archiven. Heute hab ich ihn auf die Schultern genommen und geschrien: ‚Das ist live, Junge!‘“
Dahinter steckt eine Ironie, die nur Insider erkennen: Lewis Hamilton, der Mann, den Antonelli bei Mercedes ablöste, fuhr gleichzeitig erstmals mit Ferrari aufs Podest. Die Corriere dello Sport spielt das in einer Doppelseite durch: „Hamilton wird Dritter – aber der italienische Sieg gehört uns.“

Toto wolffs langer atem zahlt sich aus
Der österreichische Mercedes-Teamchef wird in den Kommentaren zum Mithelden. Il Messaggero titelt: „Wolff hat ihn von der Kart-Bahn bis nach Shanghai begleitet – und heute gewinnt der Junge mit 19 Jahren wie ein Veteran.“ Die Zeitung erinnert daran, dass Wolff schon vor zwei Jahren intern durchsetzte, Antonelli schon mit 17 Jahren in F1-Tests zu schicken – gegen den Willen einiger Ingenieure, die ein zu hohes Risiko sahen.
Die Statistik, die niemand erwartete: Drei Ausfälle in den letzten zehn Runden – Piastri, Norris, Verstappen – öffneten das Tor. Aber es war Antonelli, der die Linie zwischen Risiko und Kalkulation nicht ein einziges Mal verließ. Seine Ingenieure sprechen von „einer Reifen-Management-Show, die sich in den Daten kaum erklären lässt“.

Ein sieg, der mehr ist als drei punkte
In den Bars von Rom schwenken Fans Tricolore-Fahnen, in den sozialen Medien trendet #ForzaKimi vor #Scudetto. Die Tuttosport-Redaktion lässt einen Satz stehen, der klingt, als wäre er aus einem Fellini-Film entliehen: „Endlich weht die italienische Flagge wieder über der Königsklasse – und sie riecht nach Frühling, nicht nach Nostalgie.“
Die Liga der italienischen Formel-1-Sieger ist seit Sonntag wieder ein lebendes Kapitel. Giancarlo Fisichella, der 2006 zuletzt gewann, schickte via Instagram ein Foto von sich und Antonelli: „Willkommen im Club, Kleiner. Ich hab den Platz warm gehalten.“
Der nächste Grand Prix ist in zwei Wochen in Suzuka. Die italienischen Zeitungen drucken schon jetzt die gleiche Überschrift vorbereitet: „Kimi, mach weiter.“ Denn wer einmal zwanzig Jahre Warten in 56 Runden abgelöst hat, dem glaubt man auch die nächste Überraschung. Die Tifosi haben wieder einen Namen, den sie in den Schlaf summen können – und er klingt nach Sieg.
