Antonelli schlägt zurück: italiens formel-1-hoffnung schnappt sich pole in shanghai
Kimi Antonelli hat es
getan. 17 Jahre nach Giancarlo Fisichellas letztem italienischen Pole in Spa raste der 19-jährige Emilianer mit der Silberpfeil-Mercedes in 1:32,064 Minuten an die Spitze des Qualifyings zum China-GP. Dahinter: George Russell im zweiten Mercedes – ein Doppelschlag, der die Konkurrenz aufhorchen lässt.Russell schlägt im sprint zu, antonelli in der qualifikation
Der Freitag gehörte Russell, der die Sprint-Runde vor Leclerc und Hamilton gewann. Doch im entscheidenden Session drehte Antonelli auf. Seine erste Flying Lap war schon schnell genug, die zweite ein Statement. „Ich habe nur Gas gegeben, das Auto war perfekt“, sagte er mit diesem unverhändelten Lächeln, das Fans an einen jungen Schumacher erinnert.
Die Ferrari-Box kochte. Lewis Hamilton startet von Position drei, Charles Leclerc direkt dahinter. Die roten Autos liegen nur zwei Zehntel zurück – ein winziger Riss in der Mercedes-Dominanz, aber noch kein Bruch.

Verstappen hinten dran – und das ist kein ausrutscher
Max Verstappen landete auf Platz acht, 0,938 Sekunden hinter Antonelli. Die Red-Bull-Technik-Chefs schauten betreut auf die Monitore. Kein Setup-Fehler, keine Verkehrs-Welle. Der RB20 kämpft auf dem 5,451 Kilometer langen Kurs einfach mit der Balance in den langen Rechtskurven. „Wir verlieren vor allem in Sektor eins Zeit“, räumte Motorsportchef Helmut Marko ein. „Da müssen wir heute Nacht noch einen Hebel finden.“
Der Shanghai International Circuit ist ein Prüfstein für Abtrieb und mechanische Grip. Die berüchtigte Kurve 1 – 270 Grad Drehung, dicht geschlossen – verlangt nach Präzision. Wer hier die Front nicht in den Radius bekommt, verliert über die komplette Runde an Speed. Genau das passierte Verstappen.
Mercedes’ china-historie trägt ihren teil dazu bei
Sechs Siege zählt Mercedes in Shanghai, mehr als jedes andere Team. Nico Rosberg holte zwei davon, Lewis Hamilton die restlichen vier. Die Strecke liegt den Silberpfeilen – einst wegen der langen Vollgas-Abschnitte, heute wegen der stabilen Aeroplattform in den schnellen Wechselkurven. Antonelli profitierte von dieser DNA. Seine Pole war kein Glückstreffer, sondern die logische Konsequenz aus einer sauberen Teamleistung.
Die Daten: Mercedes hat hier 62 % aller möglichen Pole-Positionen seit 2014 geholt. Statistisch gesehen bedeutet das Startplatz eins eine 71-prozentige Siegchance am Sonntag.

Ferrari schielt auf den 19. china-grand-prix
Vier Siege, zwei Pole, 13 Podien – die Zahlen der Scuderia klingen bescheiden gegen die Mercedes-Bilanz. Doch Hamilton kennt jede Bodenwelle, jeden Asphaltfugen-Übergang. „Ich habe hier sechs Mal gewonnen, das zählt mehr als jede Statistik“, sagte er nach dem Qualifying. Leclerc war sichtlich erleichtert, nachdem er im Sprint noch mit Überhitzung kämpfte. „Wir haben das Kühlkonzept über Nacht angepasst – heute lief der Motor stabil.“
Das Rennen verspricht Hitze. Die Wetter-App zeigt 28 Grad Asphalttemperatur, Wind aus Süd-West. Das könnte die Reifenfenster verengen – und genau dort liegt Ferraris Hoffnung.
Die startaufstellung im überblick
Hinter dem Mercedes-Duo und den Ferrari-Pfeilen lauern McLaren: Piastri und Norris starten von fünf und sechs. Alpine platziert Gasly und Colapinto auf sieben und zwölf, während Haas mit Bearman und Ocon die zweite Reihe der Mittelfeldgruppe komplettiert. Audi-Hülkenberg und Lawson in den Racing Bulls runden das Top-15 ab.
Ganz hinten: Aston Martin und Cadillac. Fernando Alonso schaffte nur Platz 19, Stroll und Pérez folgen dahinter. Die grünen Autos leiden unter dem neuen 2026er-Aero-Reglement, das Abtrieb kostet – und auf dem langen Shanghai-Layout fehlt genau das.
Morgen zählt nur die zieldurchfahrt
56 Runden, 305 Kilometer, ein Reifen-Strategie-Knobelei. Die FIA erlaubt heute zwei Mischungs-Wechsel, weil die erwartete Safety-Car-Phase die harte Compound-Phase verkürzen könnte. Mercedes plant ein frühes Unterbrechungs-Window, Ferrari will mit der härteren Mischung länger durchhalten. Wer zuerst blinkt, könnte die Entscheidung bringen.
Antonelli bleibt cool. „Ich schlafe heute wie ein Baby. Erstmal morgens um sieben aufstehen, dann Gas geben.“ Wenn er gewinnt, wäre er der jüngste italienische GP-Sieger seit Riccardo Patrese 1983. Die größte Herausforderung? Die 1,3 Kilometer lange Hauptrunde – genug Zeit, um Träume zu zerplatzen oder zu erfüllen.
