Antonelli blitzt russell ab: mercedes-zoff eskaliert in suzuka
Kimi Antonelli hat George Russell erneut in der Qualifikation zerlegt. Der 18-Jährige schnappt sich die Pole in Suzuka – und spricht vom „saubersten Wochenende“. Russell kontert mit Geständnissen über ein Heck, das „ständig weglaufen“ wollte.
Die zahlen lügen nicht
0,241 Sekunden. So viel fehlte Russell auf die Bestzeit seines Teamkollegen. Eine Ewigkeit in der Formel-1-Ära des Budget-Caps. Antonelli fuhr zwei Tenths schneller, obwohl er in Kurve 11 ins Grüne rutschte. „Das war mein Fehler“, sagt er und klingt dabei, als hätte er gerade nur das Toastbrot verbrannt.
Russell dagegen wirkte wie jemand, der merkt, dass das eigene Haus brennt, aber das Feuerlöschgerät nicht findet. „Wir haben vor der Qualifikation eine Setup-Änderung gemacht – danach war das Auto nicht mehr das gleiche“, sagt er. Der Brite schob das Prozedere auf ein „mechanisches Problem am Hinterachs-Diff“, das ihn durch die schnellen Esses driften ließ. Übersetzt: Er hatte keine Kontrolle über sein eigenes Werkzeug.

Die stimmung im mercedes-motorhome
Wer genau hinsah, sah zwei Gesichter. Antonelli wurde von Ingenieuren umschwirrt wie ein Pokalsieger, Russell stand abseits, die Arme verschränkt. Teamchef Toto Wolff versuchte, die Lage herunterzuspielen: „George startet von Platz zwei, das ist alles noch offen.“ Doch die Körpersprache verriet mehr. Mercedes hat einen internen Krieg, und der Favorit trägt gerade die italienische Flagge.
Antonelli selbst spielt den Coolen. „Ich habe keine Zeit, über die WM zu reden“, sagt er. Dabei wäre genau das möglich: Gewinnt er am Sonntag und setzt die schnellste Runde, übernimmt er die Tabellenführung – nach nur drei Saisonrennen. Die letzte italienische Führung in der F1? 1992, Ayrton Senna.
Russells problem ist größer als ein setup-fehler
Der 27-Jährige war in den vergangenen 14 Monaten der designierte Mann an der Spitze. Mercedes baute um ihn herum, verlängerte seinen Vertrag bis 2026. Jetzt sieht er sich mit einem Neuling konfrontiert, der das Auto besser versteht als er selbst. „Er ist super schnell“, sagt Russell und klingt dabei wie jemand, der gerade gemerkt hat, dass der Neue auch noch sein Lieblingsessen kochen kann.
Die Mechanikabteilung arbeitet bereits durch die Nacht. Querlenker, Diff-Geometrie, Abtrieb – alles wird neu vermessen. Doch selbst wenn Russell morgen startet wie ein Raketengeleiter: Die mentale Scharte bleibt. Antonelli hat gezeigt, dass er auch einen schlechten Reifenfunken noch in Gold verwandelt.

Was am sonntag auf dem spiel steht
Suzuka ist eine Rennstrecke, die Lügen bestraft. Wer hier die Pace hat, gewinnt – es sei denn, die Götter des Wetters schalten sich ein. Der Forecast verspricht 22 Grad und Sonne. Keine Ausreden also. Antonelli winkt die Königsetappe seiner noch jungen Karriere, Russell der verzweifelte Befreiungsschlag.
Die Fernsehbilder werden wieder in Bologna zuerst eingeschaltet. Präsident Geronimo La Russa schickte bereits seine Glückwünsche: „Unser Kimi verbindet Talent, Können und sportliches Genie.“ In der Mercedes-Garage indes herrscht Schweigen. Dort weiß man: Wer zweimal in Folge vom Teamkollegen gedemütigt wird, der verliert nicht nur Punkte – sondern auch den Anspruch auf Führung.
Start um 7 Uhr deutscher Zeit. Danach wissen wir, ob Antonelli ein Phänomen ist oder Russell einfach nur Pech hatte. Die Antwort kommt auf 53 Runden – und lautet vermutlich: Beides.
