Antonelli blitzt auf: der 19-jährige kimi fordert die f1-oldies heraus
Kimi Antonelli trägt keine Kinderschuhe mehr. Am Samstag liegt Sportweek Speciale F1 mit seinem Gesicht im Kiosk, und am Sonntag startet in Melbourne die Saison, in der der Bologneser die Großen ärgern will. „Ich habe geheult, bis ich groß wurde“, sagt er darin. „Mitte letzter Saison fragte ich mich, ob ich bei den Haien mithalten kann. Heute bin ich schneller.“
Der zwischenfall in der boxengasse
Die Rede ist von jenen 24 Stunden im vergangenen Sommer, als Antonelli nach einem Freitagstraining in Spielberg die Garage verließ und erst zwei Kilometer später merkte, dass er vergessen hatte, zu weinen. Nicht aus Rührung, sondern aus Erschöpfung. „Ich habe gelernt, Energie nur noch für das zu verwenden, was mich schneller macht“, sagt er. Die Konsequenz: Weniger TikTok, mehr Telomerase. Er ist 19, sieht aus wie 17, fährt wie 25.
Mercedes hat ihn bereits mit einem Verband aus Schweigen umgeben. Keine PR-Termine mehr, die nicht direkt in Rundenzeiten münden. Keine Freundin, die ihn zum Dinner aus der Box lockt. Stattdessen: Simulator, Fitnessraum, Kurvenspeck. „Rekorde interessieren mich nicht“, sagt er. „Ich will gewinnen, sonst wäre ich Koch.“

Der mythos vom neuen sinner
Die Parallele zum Tennis-Superstar ist kein Zufall. Auch Jannik Sinner nahm sich vor zwei Jahren die Freiheit, in Australien die Rangliste auf den Kopf zu stellen. Nun soll Antonelli das in der Formel 1 tun. Die FIA-Statistik listet acht Piloten, die nach 2000 geboren wurden. Antonelli ist der Jüngste, der schon einen Vertrag bis 2027 unterschrieben hat. Die Klause: Er muss in seiner ersten Saison mindestens drei Podeste holen, sonst rutscht er 2026 in die DTM. Druck? „Druck ist, wenn du in Imola mit dem Fahrrad zum Training musst, weil Papa den Sprit nicht zahlt“, sagt er.
Ivan Capelli, Ex-Pilot und heute Sky-Kommentator, glaubt an den Schlag. „Mit den neuen Regeln kann auch ein 19-Jähriger Weltmeister werden, wenn er die Geometrie der Strecken versteht. Kimi versteht sie.“ Die Geometrie und die Psychologie. In der vergangenen Woche ließ er in einem Simulatorrennen gegen Lewis Hamilton den Sieg liegen, weil er in der letzten Runde absichtlich ausbremste. „Ich wollte sehen, wie er reagiert. Er hat gelächelt. Nächstes Mal lächele ich.“

Der countdown läuft
Um 05:00 Uhr Ortszeit in Melbourne wird das Licht grün sein. Dann zählt kein Marketing mehr, nur noch die Stopps der Reifen. Antonelli hat sich ein Tattoo stechen lassen: eine Sanduhr ohne Sand. „Die Zeit läuft nur, wenn du sie fühlst“, sagt er. Die Sanduhr ist leer. Die Saison ist voll.
Am selben Sonntagabend steht Milan gegen Inter auf dem Programm. Zwei Stunden nach dem Zieleinlauf wird Antonelli im Parc fermé stehen und vielleicht auf das Handy blicken. „Ich tue keinem der beiden Clubs die Treue“, sagt er. „Ich bin Bologneser. Wir hassen beide gleichermaßen.“
Die Paralympics in Mailand-Cortina beginnen am Freitag, aber das ist ein anderes Kapitel. Für Antonelli zählt nur Kapitel eins: Melbourne. „Wenn ich in der ersten Runde überholen muss, dann überhole ich. Im Leben gibt keine Extra-Runde.“ Die Cops in Australien haben bereits einen Strafzettel vorbereitet: 200 Euro für zu schnelles Träumen. Antonelli wird ihn unterschreiben. Mit einem Stift, den er sich aus der Startaufstellung klaut. Denn er hat vor, die Strafe selbst zu bezahlen. Mit Siegprämie.
