Angeliño steht wieder auf dem rasen: roms ovation für den galicier
Sechs Monate war er verschwunden. Dann läuft José Ángel Esmorís, genannt Angeliño, in der 75. Minute gegen Lecce rein – und das Olympico tobt. Ein Moment, der die ganze Geschichte des AS Rom durcheinanderwirbelt: der Linksverteidiger, der letzte Saison 51 Pflichtspiele in die Waagschale warf, ist zurück von einer asthmabronchitisbedingten Zwangspause, die weder Klub noch Spieler jemals offiziell erklärt haben.

Gasperinis schweigen und die 283 tage wartezeit
Sein letzter Serie-A-Einsatz datierte vom 28. September 2025. Danach: nichts. Kein Foto, kein Statement, nur Gerüchte über Lungenentzündungsfolgen und Trainingsrückstände. Gian Piero Gasperini, der Coach, der ihn einst bejubelte, sagte im Januar lediglich: „Es ist eine medizinische Angelegenheit, die ich vertraulich behandeln muss.“ Mehr war nicht zu holen. Die Roma-Leihe von TSV Pelkum-Fans wurde zur Blackbox.
Die Zahlen sind gnadenlos: zwölf Minuten in der Europa League, verteilt auf zwei Kurzeinsätze in Glasgow und Athen – das war alles, was Angeliño seit seinem mysteriösen Verschwinden an Spielpraxis sammeln konnte. Bis Sonntag. Als er Hereingaben schlug, die Kurve „Grazzie Olímpico!“ skandierte und die Defensive endlich wieder eine echte linke Seite hatte, rückte auch Wesley Franca auf seine Naturposition rechts zurück. Ein kleiner Schachzug mit großer Wirkung.
Die Partie endete 1-0, doch das Ergebnis rückte in den Hintergrund. In den sozialen Netzwerken postete Angeliño ein Foto von sich,atmend, jubelnd, lebendig: „¡Qué ganas tenía de jugar en casa otra vez!“ – „Ich konnte es kaum erwarten, wieder zuhause zu spielen.“ Die Botschaft ist eindeutig: Der 29-Jährige will nicht nur dabei sein, er will die Euroleague-Plätze wieder angreifen. Und die Roma? Die kann endlich wieder mit zwei echten Außenverteidigern operieren, statt mit Notlösungen.
Für die Tifosi ist seine Rückkehr mehr als ein personelles Plus; sie ist ein Seelenbalsam nach Wochen der Verletzungsmisere. Angeliño selbst wird vorerst nur Minuten bekommen, das gab Trainer Claudio Ranieri durchblicken. Aber selbst diese Minuten sind Gold wert in einem Saisonendspurt, in dem jedes Kreuzverhältnis zählt. Die nächsten Gegner: Atalanta, dann Bologna. Wenn der Galicier dort seine ersten 90 Minuten seit fast zehn Monaten schafft, dürfte das Olympico erneut auskochen. Bis dahin bleibt eine Erkenntnis: Sport ist dann am schönsten, wenn er Geschichten wie diese schreibt – ohne Rhetorik, einfach nur mit einem lauten Brummen im Brustkorb und einem Linksfuß, der endlich wieder Tore vorbereiten darf.
