Andalusien setzt auf frauenpower im sport – ein durchbruch?
Sevilla bebt – zumindest im sportpolitischen Kontext. Patricia del Pozo, amtierende Kultur- und Sportministerin Andalusiens, hat den ersten „Foro Deporte y Mujer Andalucía“ eröffnet, ein Forum, das die Debatte über die Gleichstellung im Sport neu entfacht. Es geht um mehr als nur Lippenbekenntnisse; es geht um eine fundamentale Veränderung der Strukturen.
Die zahlen lügen nicht: ein langsamer, aber stetiger aufstieg
Die Teilnahme von Frauen am Sport in Andalusien hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 56 Prozent der über 15-Jährigen betreiben Sport – zwölf Prozentpunkte mehr als 2017. Die Lücke zwischen Männern und Frauen schrumpft von zehn auf vier Prozentpunkte. 118.150 von insgesamt 612.663 Lizenzsportlerinnen und -sportlern belegen, dass der Trend sich fortsetzt. Doch der Weg ist noch lang, besonders in den traditionell von Männern dominierten Disziplinen und im fortgeschrittenen Alter.
Del Pozo betonte, dass die Förderung des Frauensports kein Zufallsprodukt sei, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit von Vereinen, Familien, Trainerinnen und Trainern sowie der Verwaltung. „Der Wachstum des Frauensports ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis der stillen Arbeit von Vereinen, Familien, Trainerinnen und Trainern und der Verwaltung, die seit Jahrzehnten an diesem Ziel arbeiten“, so die Ministerin.

Gesundheit, wettkampf und karriere: die zentralen themen
Das Forum bot eine Plattform für intensive Diskussionen zu verschiedenen Aspekten des Frauensports. Vier thematische Schwerpunkte standen im Mittelpunkt: Sport und Gesundheit für Mädchen und junge Frauen, Wettkampf, Ausbildung und Berufe im Sport sowie Sport und Gesundheit für Frauen in fortgeschrittenem Alter. Expertinnen und Experten aus Universitäten, Verbänden und dem Gesundheitswesen trugen ihr Wissen ein. So sprach beispielsweise María Luz Pérez, Präsidentin der Federación Andaluza de Montaña, über die besonderen Herausforderungen im Bergsport.
Andrea Sánchez Barrio, Verantwortliche für Sponsoring bei Iberdrola, beleuchtete die Bedeutung von Unternehmenspartnerschaften für die Förderung des Frauensports. Ainara Bernal, Präsidentin des COLEF Andalucía, sprach über die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit, diese kontinuierlich anzupassen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass der Sport nicht nur eine Frage der körperlichen Fitness ist, sondern auch ein wichtiges Instrument für die öffentliche Gesundheit und den sozialen Zusammenhalt.
Die andalusische Regierung arbeitet derzeit an einem strategischen Plan für den Sport bis 2030, in dem die Gleichstellung eine zentrale Rolle spielen wird. Ein Plan, der mehr sein muss als nur ein Papier – ein Plan, der konkrete Maßnahmen und messbare Ziele beinhaltet.
Doch es bleibt die Frage: Reicht das aus? Die Reduzierung der Geschlechterkluft ist ein wichtiger Schritt, aber es bedarf noch vieler Anstrengungen, um eine echte Gleichberechtigung im Sport zu erreichen. Es braucht mehr Sichtbarkeit, mehr Förderung und mehr Unterstützung für Frauen in allen Bereichen des Sports – von der Basis bis zur Spitze.
Die andalusische Regierung hat mit dem „Foro Deporte y Mujer Andalucía“ ein wichtiges Signal gesetzt. Ob dieses Signal in nachhaltige Veränderungen mündet, wird die Zukunft zeigen. Aber eines ist klar: Der Weg zur Gleichstellung im Sport ist ein Marathon, kein Sprint.
