Ancelotti wirft der brasilianischen cbf einen 28-millionen-euro-retter an land
Carlo Ancelotti ist noch nicht einmal offiziell vorgestellt, da hat er dem brasilianischen Fußball bereits 170 Millionen Realen – 28 Millionen Euro – in die Kasse gespült. Die Seleção war handelsexport, jetzt kehren Uber, Volkswagen, iFood und Sadia zurück. Das ist keine Geste des Herzens, sondern kalte Marktlogik: Der Italiener verkauft Brasilien besser als jede Beach-Werbung.
Der deal funktioniert ohne ball
Die CBF schreibt schwarze Zahlen, be Ancelotti die erste Trainingseinheit leitet. Samir Xaud, seit Januar an der Spitze, löste das Sponsoren-Desaster der Ednaldo-Rodrigues-Ära ab. Unter ihm verschwanden GOL, Mastercard, Pague Menos und TCL; die Marke „Canarinha“ roch nach Betrug und Gerichtsbeschluss. Heute wirbt Xaud mit zwei Stichworten: Transparenz und Ancelotti. Ergebnis: vier Neuzugänge, zwei weitere Deals kurz vor dem Abschluss, und ein Jahresziel von 250 Millionen Realen. Die Rechnung geht auf, weil der Coach aus Reggiolo selbst ein Geschäft ist.
Der Verband profiliert ihn als globalen Glücksbringer. Ancelotti spricht bereits portugiesisch in Interviews, lässt sich für Brahma fotografieren und signalisiert Vertragsverlängerung bis 2030. Die Botschaft: Wer jetzt einsteigt, kauft ins Weltmeister-Start-up ein, nicht in eine Fifa-Klientel. Nike, Ambev, Vivo und Itaú haben das verstanden und erhöhen ihre Pakete. „Positive Schlagzeilen um die neue Führung geben Glaubwürdigkeit“, sagt Sponsoringberater René Salviano. Übersetzt: Solange Ancelotti lächelt, schlucken die Finanzchefs die Preiserhöhung.

Die fifa beginnt, brasilien zu vermissen
Die Fifa mag offiziell neutral sein, doch ihre Kasse lebt vom Samba-Image. Ein Turnier ohne Brasilien ist wie Wimbledon ohne Tennis – machbar, aber wer guckt? Die CBF nutzt diesen Druck. Ihre Verhandler sitzen in Miami und Doha, nicht mehr in Rio, und verlangen Prämien, als hätten sie den Pokal schon wieder geholt. Die Gegenseite spielt mit, weil Ancelotti in der Champions League 5-mal triumphierte und selbst Bayern-Bosse noch freundlich grüßen. Mit anderen Worten: Der Name zieht stärker als jede Integrationsklausel.
Die Fan-Meinung spaltet sich. Die einen feiern das Sponsoren-Comeback als Beweis, dass Korruption nicht alternativlos ist. Die anderen warnen: Ein Trainer darf nicht zum Rettungsschirm mutieren, sonst folgt der nächste Crash, wenn er mal verliert. Die CBF schweigt geschickt zu diesem Risiko. Ihr Zahlenwerk spricht lauter: 28 Millionen Euro stehen auf der Haben-Seite, und die Uhr läuft bis zur WM 2026. Wer jetzt nicht unterschreibt, zahlt später mehr – oder schaut von außen zu, wenn Neymar, Vinícius und Co. wieder loslegen.
Brasilien hat den Bogen raus: Erst den Superstar verpflichten, dann die Kasse füllen. Ob das Team auf dem Platz mithält, steht auf einem anderen Blatt. Aber das interessiert die Marken erst einmal wenig. Sie haben ihren neuen Helden gefunden – und der steht auf der Seitenlinie, nicht im Strafraum.
