Ancelotti bläst zur abwehr-offensive: brasilien verzichtet auf samba-fußball
Carlo Ancelotti hat's gesagt – und damit die Samba-Illusion begraben. Brasiliens neuer Seleção-Coach erklärt knallhart: „Die Weltmeisterschaft gewinnt, wer weniger kassiert, nicht wer mehr trifft.“ Kein Jogo bonito, sondern Beton. Die Botschaft vor dem Test gegen Kroatien: Talent allein reicht nicht, es brauche zwei kompakte Viererketten, wie 1994, oder ein Fünfer-Defensivbollwerk à la Scolari 2002.
„Ich mag's nicht, wenn man mich defensiv nennt – aber es funktioniert“
Ancelotti nimmt kein Blatt vor den Mund. Die letzten beiden Titel holte Brasilien mit Disziplin statt Dribbling-Zauber. Sein Credo: früher pressen, schnell umschalten, den Gegner ersticken. Dafür steht ein Referenzstürmer als einzige Spitze, dafür sollen Vinícius und Raphinha von den Außen nach innen kappen. „Mobilität nach vorne, aber immer mit Rückdeckung“, lautet das Gebot. Die Statistik gibt ihm recht: In den letzten zehn Turnieren ging der Pokal acht Mal an die beste Abwehr, nicht an die treffsicherste Offensive.
Die Personalie Endrick zeigt, wie radikal Ancelotti umdenkt. Den Flügelflitzer verfrachtete er während der Vorbereitung kurzerhand ins Mittelfeld-Pressing, um seine Defensivarbeit zu testen. „Er schafft das, weil er körperlich bereits bereit ist“, sagt der Coach knapp. Die endgültige 26er-Liste liegt laut Insidern bereits vor, doch offiziell hüllt sich der Italiener in Schweigen. Nur so viel: „Wir sind früh qualifiziert, haben viele Spieler analysiert, wissen genau, wer mit nach Dallas und Houston fliegt.“

Modric als vorbild – ancelotti schwärmt vom „kompletten mittelfeldspieler“
Ein Lob gibt es trotzdem – für den Gegner. Luka Modric, 38, Ancelottis Schützling von Real Madrid, wird als „einmalig“ bezeichnet. „Er kann die Sechser-, die Achter- und die Zehner-Position. Mit 40 Jahren noch Weltklasse – das macht seine Leidenschaft.“ Diese Vielseitigkeit will Ancelotti auch Vinícius und Raphinha einimpfen: Torgefahr kombiniert mit Ballsicherheit, Tempo mit Taktik. „Wenn sie ihre aktuelle Form in den Mai und Juni retten, wird Brasilien eine Macht.“
Der Countdown läuft. In 48 Stunden trifft die Seleção in der Maksimir-Arena auf Kroatien – ersten Härtetest vor dem Copa-América-Coup. Ancelotti hat die Marschroute vorgegeben: Null Toleranz in der Rückwärtsbewegung, maximale Effizienn nach vorne. Samba-Fans werden weinen. Taktik-Freaks jubeln. Und die Gegner? Sie werden sich warm anziehen müssen.
