Altobelli: "die wm ist ein reinfall! wild cards für alle?"

Los Angeles – Spillo Altobelli, Weltmeister von 1982, hält wenig von der aktuellen Fußball-WM in den USA. In einem Interview kritisiert der ehemalige Stürmer die Qualität des Turniers und wirft die Frage auf, ob die Einführung von „Wild Cards“ für mehr Spannung sorgen könnte. Seine Worte sind ein deutliches Signal, dass nicht nur er enttäuscht ist.

Ein turnier unter wert?

“Ich habe bisher wenig Großes auf dem Platz gesehen“, so Altobelli gegenüber unserem Korrespondenten Filippo Conticello. “Es gibt zwar einige Spiele mit vielen Toren, aber das macht sie noch lange nicht zu großartigen Partien. Ich erwarte von einer Weltmeisterschaft ein höheres technisches und emotionales Niveau. Bisher habe ich das nicht gesehen.” Er hofft, dass Spieler wie Messi und Mbappé das Turnier noch beleben können. Doch seine Kritik geht tiefer.

Altobelli spricht offen aus, was viele Fans denken: Die Ausweitung der WM auf 48 Teams hat die Qualität des Wettbewerbs gemindert. “Wie kann Italien, eine Fußballnation, bei einem solchen Turnier nicht dabei sein?“, fragt er rhetorisch. “Es ist keine Frage des Respekts, sondern eine einfache Feststellung. Wir haben die Chance verpasst und müssen das unserer eigenen Verantwortung zuschreiben.”

Mehr teams, weniger qualität?

Mehr teams, weniger qualität?

Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes hat statistisch gesehen den Nationen außerhalb Europas eher zugutgekommen. “Ja, die Qualität hat insgesamt abgenommen, das war vorhersehbar”, erklärt Altobelli. “Mit so vielen Teams besteht das Risiko, dass man auf dem Weg zum Erfolg etwas verliert.” Er weist auf die Diskrepanz in der Leistungsfähigkeit zwischen einigen Teams hin, wie beispielsweise Curaçao gegen Deutschland – eine Begegnung, die kaum zu bewerten war.

Die suche nach dem perfekten format

Die suche nach dem perfekten format

Altobelli plädiert für ein Mittelmaß: “24 Teams waren in meiner Zeit nicht mehr realistisch, aber 48 sind übertrieben. Als ehemaliger Spieler würde ich mich für eine Zahl dazwischen entscheiden.” Er versteht jedoch die Kommerzialisierung des Fußballs und den Wunsch, neue Märkte zu erschließen. “Der Sport ist zum Geschäft geworden, und das ist nicht per se schlecht. Aber man darf nicht vergessen, dass der eigentliche Kern, das Spiel auf dem Platz, im Mittelpunkt stehen muss.”

Er sehnt sich nach dem Fußball von früher: “Ich mag Torhüter, die halten, Verteidiger, die verteidigen, Mittelfeldspieler, die passen, Flügelspieler, die dribbeln und Stürmer, die treffen.” Doch er sieht diese Grundlagen oft vermissen.

Ein blick in die zukunft

Ein blick in die zukunft

Auch wenn die Organisation des Turniers umstritten war, lobt Altobelli die Durchführung: “Von außen betrachtet finde ich es ein großartiges Turnier, besonders wenn man bedenkt, dass es in drei riesigen Ländern stattfindet.” Die Eröffnungsfeier war spektakulär, und die Stadien sind gut besucht – ein Beweis für die anhaltende Faszination der WM.

Doch Altobelli blickt bereits nach vorne: “Große Fußballnationen wie Italien sollten immer dabei sein, unabhängig vom Format. Man braucht keine Sonderwege, sondern einfach eine normale Qualifikation.” Die Einführung von Wild Cards könnte eine Lösung sein, um sicherzustellen, dass die besten Teams der Welt immer vertreten sind – auch wenn es ein riskanter Schritt wäre. Denn ohne die Top-Mannschaften verliert die WM an ihrem Reiz.