Alonso zieht bilanz: „wir hinken um faktor 10 hinterher“

Fernando Alonso wirkt nicht wie ein Mann, der sich in die Ecke drängen lässt. Er wirkt wie jemand, der genau weiß, wie tief das Tal ist – und trotzdem die Karte neu misst. „Wir haben seit den Barcelona-Tests vielleicht 100 Runden geschafft, die Top-Teams 1.000. Wer das Verhältnis rechnet, weiß, wo wir stehen“, sagt er in Shanghai. Die Zahl erschüttert mehr als jedes PS-Dekret.

Der countdown läuft, nur die teile fehlen

Die Aston-Martin-AMR25 rollt aus, doch im Kielwasser folgt ein Transporter mit Ersatzteilen, der nie eintrifft. Nach dem Desaster von Melbourne fehlen Getriebe, Kühleinheiten, Carbon-Überreste. Alonso: „Wir werden Freitag und Samstag wahrscheinlich wieder Rationierung fahren. Ein normaler Grand-Prix-Wochenend-Ablauf wäre schon ein Erfolg.“

Lawrence Stroll hat Hunderte Millionen investiert, Adrian Newey verpflichtet, doch der Windkanal lügt nicht. Die Vibrationsprobleme der Honda-Powerunit setzen Piloten wie Stromstöße aus. „Fühlt sich an wie ein elektrischer Stuhl“, sagt Stroll junior. Alonso bestätigt, nur diplomatischer: „Wir helfen Honda, wo wir können – mit Daten, Ingenieuren, Budget. Aber eine Lösung über Nacht? Illusion.“

Die vergangenheit als warnung

Die vergangenheit als warnung

McLaren-Honda 2015 – das Schlüsselwort fällt in jeder Pressekonferenz. Alonso damals, Alonso heute. „Auch Jenson und Stoffel haben dieselbe Diagnose gestellt. Alle nannten die Power-Unit unreif. Heute gilt das als Common Sense, früher hieß ich der Spielverderber“, sagt er trocken. Die Erinnerung schmerzt, doch sie schärft den Blick.

Seine Podiums-Quote liegt bei 105, die WM-Titel bei zwei. Alonso weiß, dass Rang drei oder 15 für ihn dasselbe Gefühl bedeutet: Niederlage. „Ich bin hier, um anzugreifen. Alles andere zählt nicht.“

Shanghai als etappensieg mit gebrochenen schuhen

Shanghai als etappensieg mit gebrochenen schuhen

Die Strecke hier mag lang sein, doch die Boxengasse ist kurz. Alonsos Plan: „Ziel ist es, das Rennen durchzufahren, zu verstehen, wie sich das Auto über Distanz verhält. Punkte? Fehlanzeige.“ Dennoch kein Gedanke an Aufgeben. „Ich bin 22 Mal gestartet, 21 Mal habe ich verloren. Trotzdem stehe ich wieder auf der Matte.“

Formel-1-Puristen mögen einwenden, dass Aston Martin mit Honda-Motoren 2026 angepeilt wird, nicht 2025. Doch die Uhr tickt. Jeder verpaste Freitag ist ein verlorener Entwicklungstag. Alonso: „In zwei, drei Rennen wollen wir ein normales Programm abspulen. Danach reden wir über Leistung. Erstmal müssen wir laufen lernen.“

Die rote Ampel in der Garage leuchtet – nicht nur für das Team, sondern für die ganze Saison. Alonso aber drückt das Gaspedal durch, auch wenn der Tank halb leer ist. Seine Devise: „Wenn die Runden fehlen, ersetze ich sie mit Hirnschmalz.“ Genug ist noch nicht. Die Rechnung offen. Shanghai ist erst die zweite Station.