Alonso bei chelsea: chance im missgeschick?
Xabi Alonso übernimmt Chelsea in einer höchst ungewöhnlichen Lage: Der Baske wird Trainer eines Top-Klub, der möglicherweise ohne europäische Wettbewerbe in die Saison 2026/27 starten könnte. Ein Szenario, das zunächst wie ein Rückschlag wirkt, birgt jedoch eine überraschende Chance.
Die daten lügen nicht: englische top-klubs explodieren nach pause
Die vergangenen zehn Jahre zeigen ein klares Muster: Englische Top-Klubs, die eine internationale Saison verpassen, erleben in der darauffolgenden Spielzeit regelrechte Aufholjagden. Im Schnitt verbuchten sie sechs Positionen mehr in der Liga und fast 20 Punkte mehr auf ihrem Konto. Chelsea selbst, aktuell Tabellenachter mit 52 Punkten – punktgleich mit dem Neunten, Brentford – könnte von dieser Entwicklung profitieren. Der letzte Spieltag gegen Sunderland (Platz 10, 51 Punkte) entscheidet über die Teilnahme an der Conference League.
Kein Reisestress, mehr Trainingszeit: Für Alonso könnte das Fehlen von Europa-League- oder Champions-League-Spielen ein entscheidender Vorteil sein. Keine nervenaufreibenden Reisen durch Europa, keine englischen Wochen, die die Spieler zusätzlich belasten. Stattdessen mehr Zeit für intensives Training, taktische Feinabstimmung und eine optimale Regeneration der Mannschaft. Das ist ein Luxus, den viele Top-Trainer nur selten genießen.

Chelsea hat es schon erlebt: der effekt der ruhe
Chelsea selbst profitierte bereits 2015/16 (Platz 10) und 2022/23 (Platz 12) von einer Pause im internationalen Wettbewerb. In beiden Fällen folgte ein deutlicher Sprung nach vorne. Die Bilanz der „Big Six“ ist beeindruckend: Seit 2015/16 verpassten Arsenal, Chelsea, Liverpool, Manchester City, Manchester United und Tottenham Hotspur insgesamt sechsmal die internationalen Wettbewerbe. In allen Fällen verbesserten sich die Teams in der darauffolgenden Saison massiv – durchschnittlich um 19,7 Punkte. Die Gründe sind offensichtlich: Weniger Belastung, mehr Zeit für Training und taktische Arbeit.
Alonso kann nun sein Team ohne Zeitdruck formen und gezielt auf die Rückkehr in die Königsklasse hinarbeiten. Selbst eine Teilnahme an der Conference League stellt für englische Top-Teams keine große Hürde dar. Tottenham steigerte sich 2021/22 trotz Conference-League-Verpflichtungen von Platz sieben auf vier unter Antonio Conte. Chelsea kletterte 2024/25 unter Maresca von sechs auf vier – ebenfalls mit Conference-League-Pflichtspielen.
Die Situation ist also paradox: Möglicherweise ist das Fehlen des Europapokals für Chelsea und Xabi Alonso der Schlüssel zum Erfolg. Es bleibt abzuwarten, ob der Baske diese Chance nutzen kann, um Chelsea zurück an die Spitze des englischen Fußballs zu führen. Die Daten sprechen zumindest für ihn.
