Allegri zieht die kampflinie: 70 punkte oder nichts

Milanello – Max Allegri hasst Kuschelkurs. 58 Jahre, graues Haar, Blick wie ein Schießstandhelfer. „Wenn wir unseren Job machen, kann uns hinten keiner mehr kriegen.“ Satz mit XXL-Selfconfidence, Sekunde später schon der nüchterne Add-on: „Erstmal müssen wir aufpassen, was hinter uns passiert.“

Der AC Milan ist Sechster, 60 Zähler, sieben Runden vor dem Ende. Champions-League-Ränge? Luftlinie acht Punkte. Allegri rechnet laut: „Fünf Siege, dann sind wir bei 75. Das reicht.“ Die erste Prüfung folgt morgen im Stadio Olimpico gegen Sarris Lazio, die Italo-Press nennt das Match schon „Allegri’s Fegefeuer“.

Shevchenko warnt die stürmer – mit einem lächeln

Shevchenko warnt die stürmer – mit einem lächeln

Andriy Shevchenko schlurfte am Mittwoch durchs Milanello-Trainingszentrum, Handschlag hier, Daumen hoch dort. „Ein Genuss, ihn zu sehen“, sagt Allegri, „vielleicht bringt er den Jungs das letzte Prozent.“ Pulisic, 2026 noch torlos, Leao mit Formkurve nach oben, Füllkrug und Nkunku „auf Kriegsfuß mit dem Netz“, wie es ein Assistent raunzt. Nur Santi Gimenez fehlt – psychologisches Wellness-Programm statt Kaderplatz.

Rabiots Sperre zwingt zur Rochade. Jashari oder Ricci rückt ins Zentrum. „Zahlen sagen, wir verlieren Tempo ohne Adrien“, erwidert Allegri, „aber Zahlen sind dafür da, dass man sie Lügen straft.“ Fofana liefert Vorlagen, aber nur ein Tor seit Januar. „Jetzt erwarte ich Tore, Punkt“, fordert der Coach – und meint damit sowohl Statistik als auch Meisterschaft.

Parallel läuft heute Nachmittag Inter gegen Atalanta. Allegri will die Tabelle nicht checken, bevor seine Elf warmgelaufen ist. „Wenn wir gewinnen, schauen wir. Erstmal müssen wir die drei Punkte holen, sonst ist alles Schnickschnack.“

70-Punkte-Marke, Lazio-Hürde, Champions-Traum – das Programm steht. „Wir haben 10.000 Rossoneri im Olimpico, das ist unser Zwölfter Mann“, sagt Allegri und klingt plötzlich wie ein Ultra. Dann dreht er sich um, Richtung Kabine. Kein „Wenn“, kein „Aber“. Einfach nur die Drohung: „Wenn wir unseren Job machen, reicht’s.“