Allegri lässt zuschauer-mangel zum turbo werden

Der FC Milan-Mannschaftsbus rollt fast leer durch Milanello. Während Europas Nationalteams sich die Stars klauen, bleiben sechs Profis zurück – und Allegri macht daraus kein Drama, sondern einen Mini-Intensivkurs.

Warum füllkrug, nkunku & co. plötzlich priorität haben

Warum füllkrug, nkunku & co. plötzlich priorität haben

Kein Glücksrad, sondern ein kaltes Schachbrett: Rafael Leao fehlt wegen seiner Portugal-Reha, Matteo Gabbia wegen Muskelproblemen. Die anderen Nicht-Nominierten? Eine Mischung aus taktischem Verzicht und Leistungs-Fragezeichen. Max Fofana, Niclas Füllkrug, Santiago Gimenez, Ruben Loftus-Cheek, Christopher Nkunku und Samuele Ricci trainieren derzeit im reduzierten Kader. Für Allegri ist das kein Reservisten-Camp, sondern der perfekte Testlauf für die Schlussphase.

Gerade Füllkrug und Nkunku, zuletzt zwischen Startelf und Bank gerissen, bekommen nun 90-Minuten-Dauerbeschallung. Loftus-Cheek soll seine Sechser-Position neu vermessen, Gimenez seine Tiefe vor dem Strafraum schärfen. Ricci wiederum spielt sich in die Karten für die Rolle des Rechtsverteidigers mit Vorstoss – eine Position, die Milan seit Calabrias Formtief wie offene Wunde blutet.

Die vermeintliche Randnotiz hat direkten Einfluss auf die Meisterschaft. Mit zehn Spieltagen bis Saisonende trennen die Rossoneri nur drei Punkte von der Tabellenspitze. Jeder einzelne der sechs „Verbliebenen“ kann innerhalb von 48 Stunden von Allegri zum Joker hochstilisiert werden – und genau das ist der Plan.

Der Coach verlangt in der Länderspielpause Tempo-Dauerlauf mit Ball, kombiniert mit Videoanalysen bis 20:30 Uhr. Wer jetzt nicht Gas gibt, verliert den Anschluss an den Kader, der nach der Rückkehr der Nationalspieler komplett ist. Das brutale Programm wirkt: Die GPS-Westen zeigen eine Steigerung der Sprintzahl um 17 Prozent gegenüber dem letzten Wochendurchschnitt.

Ein Detail verrät zusätzlich den Ernst der Lage: Allegri hat das Trainingsgelände für Medien und Fan-Reporter komplett gesperrt. Kein Selfie, kein Live-Stream – nur Arbeit. Das Management signalisiert damit, dass die verbleibenden Pflichtspiele keine Testphase mehr sind, sondern eine einzige Qualifikation für die Champions-League-Plätze.

Am Samstag, wenn die ersten Länderspiel-Rückkehrer eintreffen, entscheidet sich, wer von den Sechs auch in zwei Wochen gegen Lecce auf dem Platz steht. Allegri wird keine Tränen vergießen – er wird einfach weitermachen. Und wer jetzt mitliest: Die Wette, dass mindestens einer der sechs Namen in den letzten fünf Spielen zur entscheidenden Figur wird, steht bei 1,65 – das sagt mehr als jede Pressekonferenz.