Albertosi: 'scudetto a cagliari vale 20 al milan!'
Mailand – Enrico Albertosi, einstiger Torwart-Titan beim AC Milan und Cagliari Calcio, hat in einem Gespräch die Fußballwelt aufgemischt. Der 86-Jährige, von Gianni Rivera als „der Größte“ bezeichnet, liefert scharfe Kritik am modernen Fußball und liefert eine überraschende Wertung für seine Titelgewinne.
Die goldene ära des calcio: mehr als nur zwei scudetti
Albertosi, der in seiner Karriere für Fiorentina, Cagliari und Milan spielte und zwei Meistertitel, drei Coppa Italia-Siege und einen Europapokal errang, lässt wenig auf sich warten. „Poco?“, entgegnet er auf die Frage, ob zwei Scudetti wenig seien. „Ein Scudetto mit Cagliari war eine Sensation, ein Wunderwerk! So etwas wird sich nie wiederholen.“ Seine Worte sind ein Echo vergangener Zeiten, als der Fußball von Leidenschaft und Kampfgeist geprägt war.
Besonders hervorzuheben ist seine Einschätzung des Wertes eines Scudetto-Titels. „Ein Sieg auf Sardinien ist das Zehnfache wert im Vergleich zu einem Titel in Mailand, bei Inter oder Juventus.“ Diese Aussage ist ein Schlag ins Gesicht der heutigen Fußball-Giganten und ein Tribut an die außergewöhnlichen Umstände, unter denen Cagliari in den 70er Jahren triumphierte.

Milan heute: europa oder misserfolg?
Albertosi zeigt sich zudem unzufrieden mit dem aktuellen Stand des Mailänder Fußballs. „Für Milan bedeutet das viel, sehr viel. Eine Saison, vielleicht sogar mehr. Es gilt, die Champions League zu erreichen, sonst wäre das ein echter Misserfolg, wie bei der Nationalmannschaft.“ Er fordert klare Ergebnisse und betont, dass der Platz des AC Milan in Europa ist, nicht in der Bedeutungslosigkeit.
Er lobt zwar die Arbeit von Trainer Pisacane in Cagliari, der das Team gerettet hat, kritisiert aber gleichzeitig die generelle Entwicklung des Fußballs. „Es wird immer mehr zum Rückpassspiel. Das ist doch langweilig! Der Fußball soll Freude und Begeisterung vermitteln, nicht nur Paraden.“

Allegri: ein taktikgenie mit humor
Max Allegri erhält von Albertosi ein überschwängliches Lob. „Ein Ausnahmetalent! Er versteht sich mit Fußball und Spielern, er nimmt die Dinge nicht zu ernst und ist ein echter Motivator.“ Albertosi glaubt, dass Allegri mit dem richtigen Personal noch viel erreichen kann. „Einige Verstärkungen in der Verteidigung, mehr Stabilität im Mittelfeld und ein Torjäger, der die Dinger auch mal reinmacht – dann ist der AC Milan wieder der AC Milan von früher.“
Er erinnert sich an seine eigene Zeit, an die legendären Duelle mit Gigi Riva und Domenghini, an die außergewöhnlichen Mitspieler in der Abwehr wie Eraldo Mancin. „Das war eine schöne Zeit, voller Aufregung – auf und neben dem Platz.“
Albertosi, der einst mit 40 Zigaretten am Tag und Besuchen auf der Rennbahn für Schlagzeilen sorgte, blickt zurück auf eine bewegte Karriere. Ein Herzinfarkt auf der Rennbahn im Jahr 2004 konnte ihn nicht aufhalten, dank der schnellen Hilfe durch einige Jockey. „Ich habe mir nichts verwehrt. Ich habe mich gut gefühlt.“
Sein Rat an die jungen Spieler? „Schaut euch die alten Meister an, lernt von ihnen. Und vergesst nicht: Fußball ist mehr als nur ein Spiel – es ist eine Leidenschaft.“
Die Worte des alten Torwart-Titanen sind ein Weckruf an den modernen Fußball. Ein Appell, die Werte des Sports wieder in den Mittelpunkt zu stellen und die Freude am Spiel nicht zu vergessen. Denn wie Albertosi so treffend sagt: „Der Fußball muss wieder Spaß machen!“
