Alba-frauen erklimmen thron: krimi-endspiel bringt ersten pokal

Keine zehn Sekunden auf der Uhr, Alba Berlin liegt zwei Punkte zurück, der Ball liegt in den Händen von Alina Hartmann – und die 1,78 Meter große Shooting-Guard schickt 2.200 Menschen in der Sömmeringhalle mit einem kühlen Freiwurf in den Overtime-Rausch. Was folgte, war die Krönung eines Abends, der in die Geschichtsbücher des deutschen Frauen-Basketballs eingegangen ist: 67:62 nach Verlängerung gegen die Rutronik Stars Keltern – und der erste DBBL-Pokal für die Hauptstädterinnen.

Ein finale, das die schlagzeilen schreibt

Die Badener hatten den Titel 2022 und 2023 geholt, gelten als Freiburg-Ära des Frauen-Basketballs. Doch Berlin legte von Anpfiff an eine Intensität an den Boden, die selbst die routinierten Kelter Nerds verunsicherte. Doppelt verteidigt, weit ausgeholt, rein in die Zone – Alexandra Wilke antwortete mit 21 Punkten, doch ihre Mitspielerinnen fanden nur 41 Prozent aus dem Feld. Berlin dagegen spielte mit dem Mut der Verzweiflung: Marie Berthold traf vom Perimeter, Tessa Stammberger stocherte im Getümmel den Loose Ball heraus, Lena Gohlisch versenkte den Blinker aus der Ecke.

Keltern schien nach der Pause das Kommando zu übernehmen, ging Mitte des vierten Viertels mit sechs Punkten in Führung. Doch Alba-Coach Thomas Wölfel hatte die besseren Karten: ein 2-3-Zone-Mix, der Wilke den Vorwärtsgang verstellte, und ein Wechsel auf Small-Ball, der die Stars zwang, statt 15 Sekunden plötzlich nur noch acht Sekunden zu kombinieren. Die Zuschauer in der Sömmeringhalle – zwischendurch so laut, dass die Speaker-Anlage übersteuerte – spürten: Hier reift ein Jahrhundert-Moment.

Die zahlen, die das spiel erklären

Berlin gewann die Rebounds 48:37, obwohl Keltern mit der lettischen Centerin Anete Steinberga die größere Frontcourt-Stärke besaß. Der Grund: vier Offensive-Boards in der Overtime, zwei davon von Berthold, die prompt zum Foul gezogen wurde. Die Freiwurf-Quote der Berlinerinnen: 17 von 19. Keltern? Nur 9 von 14. Die Differenz fiel genauso ins Gewicht wie Hartmanns Dreier 2,8 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit. Ein einziger Ball, der zwischen Pokal-Traum und Saison-Desaster schwankte, landete im Korb – und brachte Berlin die Verlängerung.

Im Spiel um Platz drei hatte der frühere Finalist Saarlouis Royals nichts zu bieten: 62:73 gegen BC Marburg. Die Hessen, dieses Jahr ohne Europapokal-Last, lieferten eine Lehrstunde in Transition-Basketball und schickten die Titelträgerin des Vorjahres mit einer Heimreise voller Fragezeichen nach Saarland zurück.

Berlin wird zur globalen bühne

Der Pokal ist erst der Auftakt. Vom 4. bis 13. September verwandelt sich die Hauptstadt in eine riesige Basketball-Arena, wenn Mercedes-Benz Arena und Max-Schmeling-Halle die Frauen-WM ausrichten. Dann treten nicht nur Wilke & Co. gegen die Welt an, sondern auch die neue Berliner Heldin Hartmann – inzwischen mit Pokal-Trophäe im Schrank und dem Selbstbewusstsein, das solche Spiele entscheidet. Die Alba-Frauen haben bewiesen, dass sie in Schlüssel-Sekunden kälter sind als ein Berliner Winterwind. Wer sie jetzt noch unterschätzt, verpasst den Bus, der genau jetzt Richtung Spitze fährt.