Alaba packt aus: „münchen lebt in mir – aber ich schaue vorwärts“

David Alaba spricht selten. Wenn er es tut, klingt es wie ein Bekenntnis. Im Interview mit Sports Illustrated blickt der 33-Jährige erstmals seit seinem Real-Abschied auf die 13 Jahre im Trikot des FC Bayern zurück und liefert einen Satz, der die Bayern-Fans noch Wochen begleiten wird: „Der FC Bayern wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben.“

Die anfänge: flutlicht statt kinderzimmer

Alaba kam als 16-jähriger Flügelstürmer aus der U17, verließ Wien, um in München erwachsen zu werden. „Plötzlich stand ich im Allianz Arena, 50.000 Menschen schrien meinen Namen, und ich musste noch lernen, wie man Parkplatzgebühren zahlt“, erinnert er sich trocken. Die ersten Jahre waren kein Märchen. „Öffentliche Kritik trifft dich als Jugendlicher mitten ins Herz. Ich habe gelernt, dass Titel schneller vergessen sind als Patzer.“

Diese Lektion prägte ihn. Aus dem sensiblen Außenverteidiger wurde ein Führungsspieler, der 27 Titel holte – darunter zwei Triples. Doch Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. „Ich bin dort nicht nur Spieler geworden, sondern ein Mensch, der weiß, was Rückschläge kosten und was Loyalität wert ist“, sagt Alaba.

Liebe und loyalität – mehr als schlagworte

Liebe und loyalität – mehr als schlagworte

Wenn der Österreicher über Werte spricht, klingt es nie nach Werbung. „Respekt, Liebe, Loyalität – das sind keine Instagram-Hashtags für mich“, betont er. Liebe bedeutet für ihn, nach einem Kreuzbandriss um 5 Uhr morgens aufzustehen, um seine Tochter zur Schule zu bringen. Loyalität heißt, den Verein nicht im Sommer 2020 im Clinch um den Vertrag zu verlassen, sondern bis zum Ende um Meisterschaft und Pokal zu kämpfen.

Die Bayern-Fans feierten ihn dafür, Pflichtspiel 431 wurde zu einer Standing-Ovation. „Ich habe in München gewohnt wie in meinem zweiten Zuhause, aber Abschied gehört dazu. Ich schwelge nicht – ich nutze die Erinnerung als Treibstoff“, erklärt er.

Real-zeit beendet – wm-kapitänsbinde wartet

Real-zeit beendet – wm-kapitänsbinde wartet

Nach fünf Jahren in Madrid schloss Alaba die Büros in Valdebebas. Ob er zurückkehrt oder eine neue Liga erobert, lässt er offen. „Ich werde nicht über Angebote sprechen, bevor ich sie unterschrieben habe“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Fest steht: In zwei Monaten führt er Österreich als Kapitän zur WM – erstmals seit 1998 wieder mit echten Halbfinal-Träumen.

Die Vorbereitung läuft. „Ich habe gelernt, dass eine Karriere wie ein Marathon ist: Du darfst dich nie von der Vergangenheit abhalten lassen, sonst verpasst du den nächsten Schritt“, so Alaba. Die Bayern-Fans werden ihn trotzdem anfeuern, egal wo er spielt. Schließlich hat er ihnen versprochen: München lebt in ihm – und er in München.