Ajoie schlägt den nächsten talentwurf: vier jungstürmer erhalten profi-vertrag

Der HC Ajoie macht Ernst mit dem Neustart. Vier Jungstürmer unterschreiben ihren ersten Profi-Vertrag – ein Schachzug, der die Jura-Klub-Hierarchie aufmischt und der National-Liga-Konkurrenz zeigt, wie man Talente ohne Millionen-Budget an Bord holt.

Livio Christen, Noé Tarchini, Titouan Girardin und Lorin Froidevaux sind die Namen, die ab sofort auf den Lippen der Ajoie-Fans sind. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie kommen nicht mit glamourösem NHL-Background, sondern mit Dreck unter den Fingernägeln aus MyHockey, Swiss League und U21-Kehricht.

Christen springt direkt von biel in die tiefe

Der 20-jährige Livio Christen absolvierte bereits sieben NL-Einsätze für Biel, doch die Berner ließen ihn ziehen. Ajoie nutzte die Chance und verpflichtete den Center, der in Olten schon 22 Punkte in 30 Swiss-League-Spielen sammelte. Seine Spielintelligenz ist es, was Scouts aus der Region aus dem Schlaf reißt: Er erkennt Lücken, bevor sie entstehen.

Noé Tarchini wiederum bringt Nationalmannschafts-Luft mit. Der 19-jährige Flügel gehört zum Schweizer U20-Kader, spielte bei Bellinzona Snakes in der Swiss League und schoss dabei zwölf Scorerpunkte in 28 Partien. Für Ajoie ist das ein Transfer mit Weitsicht: Ein Jungspund, der bereits gegen Kanadas Beste aufgelaufen ist, soll nun gegen die ZSC-Lions treffen.

Girardin und froidevaux: zahlen, die stutzen machen

Girardin und froidevaux: zahlen, die stutzen machen

Titouan Girardin lieferte in der U36-Junioren-Elite ab: 24 Tore, 43 Assists in 36 Spielen – das sind 1,86 Punkte pro Partie. Die Konkurrenz sprach von „unglaublichem Eis-Blick“. Lorin Froidevaux steuerte beim HC Franches-Montagnes in der MyHockey-Liga 20 Punkte bei und spielte sich nebenbei als Anfänger in Ajoies U21 ins Rampenlicht.

Die Botschaft dahinter: Ajoie vertraut nicht auf teure Import-Stars, sondern auf die eigene Region. Drei der vier Neuen stammen aus dem eigenen Nachwuchs, einer von der Partner-Klubschmiede in Delémont. Das spart Budget und schafft Identität.

Die Verträge laufen über zwei Jahre mit Option auf Verlängerung. Sportchef Christian Dubé steckt die Latente hoch: „Wir wollen ihnen nicht nur Eiszeit, wir wollen ihnen Verantwortung.“ Tatsächlich: In der neuen Saison sollen alle vier mindestens 30 NL-Einsätze erhalten, sonst droht eine Ausstiegsklausel. Druck statt Dauergarten.

Die Konkurrenz schaut auf. Clubs wie Genf oder Bern geben Millionen für Importe aus, Ajoie setzt auf Jungs, die noch bei Mama wohnen. Ob das aufgeht, zeigt sich am 13. September, wenn die neue Saison startet. Eins ist sicher: Die Liga wird enger, und Ajoie spielt Roulette mit dem eigenen Nachwuchs. Die Kugel rollt.