Ajax setzt auf garcia: letzte chance für die königsklasse
Oscar Garcia rettet Ajax – oder begräbt den Traum. Der Spanier übernimmt sofort, fünf Punkte fehlen noch zur Champions-League-Ränge, und nur acht Spiele bleiben.
Grim ist geschichte, garcia bekommt den kopf
Fred Grim wusste es schon vor dem Gespräch mit Sportdirektor Jordi Cruyff. Am Sonntagabend schob Cruyff den Stift über die Trennungspapiere, Grim unterschrieb und verschwand zurück in die Academy, wo er vor zwölf Jahren seine Ausbilder-Lizenz erwarb. Garcia, seit Februar für die U-18 verantwortlich, stürmt ins Hauptquartier. Seine Mission: Ajax muss wieder in die 32 besten Teams Europas.
Die Zahlen sind brutal. Seit Mitte Februar holte Ajax aus 18 möglichen Zählern nur vier. Die Fans pfiffen beim 1:1 gegen Heerenveen, die Karten für das Auswärtsspiel in Utrecht blieben halb leer. Garcia kennt das Klima. 2021 führte er Salzburg vor 25.000 Ajax-Anhängern in Amsterdam zur Niederlage – und wurde danach von der Arena-Crowd gefeiert, weil er mit seinem Ex-Klub den Ball laufen ließ wie einst de Godenzonen.

Cruyff wirbt mit meister-trophäen, garcia liefert erfahrung
Garcia trägt keine Amsterdamer Vergangenheit wie Ten Hag oder Blind, dafür drei Meistertitel in Israel, Österreich und der Schweiz. Mit Brighton schaffte er den Aufstieg in die Premier League, mit Saint-Étienne das Coupe-de-France-Finale. Cruyff betont die „internationale Handschrift“. Gemeint ist: Garcia kann Truppen formen, wenn der Druck kocht. In Tel Aviv gewann er 2015 die Gruppenphase der Europa League gegen Benfica und Dortmund – mit einem Budget, das Ajax in zwei Wochen verpulvern würde.
Die Spieler reagieren erleichtert. Dusan Tadic twitterte innerhalb von Minuten ein Foto aus dem Training, auf dem er mit Garcia lacht. Der Kapitän weiß: Bei Grim war die Taktik oft ein Bollwerk aus Begriffen – Garcia spricht Spanisch, Englisch, Katalanisch und seit seinem Salzburg-Job fließend Deutsch. Die Umgangssprache in der Kabine wird wieder „Fußball“ statt „Philosophie“ sein.

Acht finals, null polster – so sieht die restsaison aus
Am Sonntag folgt schon der erste Test: Auswärts bei Sparta Rotterdam, dem Überraschungsdritten. Danach warten PSV und Feyenoord innerhalb von 17 Tagen. Die Rechnung ist simpel: Gewinnt Ajax alle acht Partien, reichen 24 Punkte zur Champions-League-Qualifikation. Verliert er zweimal, dürften selbst Conference-League-Plätze wackeln. Garcia selbst sagt nicht viel. In seiner ersten Pressekonferenz quetscht er nur: „Wir müssen jetzt Tore erzwingen, nicht diskutieren.“
Die Uhr tickt. Die Fans singen wieder, die Aktie stieg nach der Meldung um fünf Prozent. Am 15. Mai steht das letzte Spiel in Zwolle an. Bis dahin entscheidet sich, ob Ajax als 37-maliger Meister in die Königsklasse zurückkehrt – oder erstmals seit 14 Jahren ohne europäischen Winter reist. Garcia hat 72 Tage. Die Liga lacht nicht mehr, sie zählt.
