Aichers kristallkugel rutscht durch die finger – pirovano erzählt plötzlich märchen

Emma Aicher fuhr ins Ziel, sah die Zwölf auf dem Monitor – und wusste sofort: Dieser Samstag schmerzt. 0,03 Sekunden fehlen bis Rang neun, 28 Punkte bis zur kleinen Kristallkugel. Mit einem Fahrfehler im Mittelstück von Val di Fassa verwandelte sich die Jagd in die Rolle der Gejagten.

Pirovano dreht den spieß um

Laura Pirovano feierte 24 Stunden nach ihrem ersten Weltcup-Sieg den zweiten – beide Male um eine kaum messbare 0,01 Sekunde. Die 28-jährige Italienerin, bislang eher eine unauffällige Solistin, besitzt plötzlich die Bühne der Dolomiten und damit 40 Punkte Vorsprung im Kampf um die Speed-Kugel. Ihre Rechnung: zwei Mal minimal, maximaler Ertrag.

Aicher selbst nahm’s mit der Gelassenheit eines Athleten, der diese Saison schon alles gewann – außer Nervenflattern. „Es ist nicht zu Ende, bis alle Rennen gefahren sind“, sagte sie beim ZDF, ohne Lächeln, dafür mit zusammengebissenen Kiefern. Der „dumme Fehler“ kostete sie sieben Punkte, die am 21. März in Kvitfjell fehlen könnten.

Weidle-winkelmann bleibt kurz vor dem podest hängen

Weidle-winkelmann bleibt kurz vor dem podest hängen

Kira Weidle-Winkelmann wurde Fünfte – wieder einmal. Ihre Mini-Chance auf die Kugel schrumpft auf 85 Punkte Rückstand. Zu schnell im Flachstück, zu spät in der Kurve. Das Podest war diesmal 0,05 Sekunden entfernt, die Saison ist es noch ganze vier Wochen.

DSV-Vorstand Wolfgang Maier spricht dennoch von einer „Saison, die man in höchsten Tönen loben muss“. Letzte Saison noch ohne ein einziges Abfahrtspunktechen, nun Weltcupsilber hinter Mikaela Shiffrin. Der Verband will Druck vermeiden, die Konkurrenz macht ihn trotzdem.

Der countdown läuft – kristall oder krise

Der countdown läuft – kristall oder krise

Ein Finale, drei Läuferinnen, ein Ziel: 60 Punkte sind in Kvitfjell zu vergeben. Pirovano muss nur noch fahren, nicht gewinnen. Aicher muss angreifen, aber ohne zu stürzen. Und Weidle-Winkelmann? Die braucht ein Wunder und zwei Italienerinnen hinter sich. Die Kugel ist klar, die Rechnung turbulenter denn je. Noch 14 Tage, dann entscheidet sich, wer die Saison als Königin der Speeddisziplin krönt – und wer nur die Geschichte vom fast perfekten Winter erzählt.