Aicher verspielt kugel-commando – pirovano schießt mit hundertstel-kanone

Val di Fassa – Emma Aicher fuhr auf die Bremse, und die Abfahrts-Kugel rutschte durch ihre Finger. 1,06 Sekunden fehlten der 22-Jährigen am Ende des 3. Sektors, 66 Hundertstel steckten in einem einzigen Fehler. Ergebnis: Rang zwölf, 28 Zähler Verlust, und Laura Pirovano sitzt nun im Fahrersitz.

Pirovano bedient sich an der deutschen kasse

Pirovano bedient sich an der deutschen kasse

Die Italienerin hatte vor der Saison noch als Außenseiterin gegolten, jetzt führt sie mit 436 Punkten. Aicher folgt mit 408, Kira Weidle-Winkelmann hält bei 351 die Zügel nur noch locker in der Hand. Cornelia Hütter lauert mit 344. Vier Akteurinnen, eine Kugel – das Rennen in Lillehammer am 21. März verspricht Nagelbiss-Atmosphäre.

Was Aicher ärgert: Sie hatte die Kugel schon mental auf dem Kaminsims. Dann kam jene leichte Verbremsung, das Skifahren „im Kopf“ statt auf der Kante. „Ich weiß, dass ich nicht besser Ski fahre, wenn ich an die Kugel denke“, sagt sie, nachdem der Fehler im ZDF bereits in Endlosschleife läuft. Die Devise klingt wie aus dem Motivationsbuch, doch die Realität ist hart: Sie muss in Norwegen gewinnen und gleichzeitig darauf hoffen, dass Pirovano maximal Dritte wird.

Weidle-Winkelmann kann an diesem Puzzle nur mitwirken, wenn sich die beiden Top-Konkurrentinnen gegenseitig blockieren. Ihr fünfter Platz in Val di Fassa reichte, um die Hoffnung am minimalen Flackerhalten zu halten, nicht mehr. Die Mathematik ist gnadenlos: Selbst ein Sieg würde reichen, wenn Pirovano außerhalb der Top-10 landet und Aicher maximal Vierte wird – eine Kombination, die Buchmacher mit Dreistelligen Quoten bedenken.

Die deutsche Equipe reist mit zwei Heftpflaster-Aufträgen nach Lillehammer: Erstens, die eigene Nervosität in Geschwindigkeit verwandeln. Zweitens, Pirovanos Selbstvertrauen anzukratzen. Denn die Italienerin hat in den letzten beiden Rennen zweimal um einen Hundertstel gewonnen – ein Zufallsprodukt, das sich schnell ins Gegenteil verkehren kann. Skisport-Geschichte lehrt: Eine Zehntelsekunde reicht, um Helden in Statisten zu verwandeln. Für Aicher tickt die Uhr, und die Kugel glänzt bereits im Fernlicht der Zielanlage von Lillehammer.