Aganzo drängt auf schnelle lösung: 70er-jahre-spieler wollen endlich rentenansprüche
David Aganzo hat keine Zeit für Lippenbekenntnisse. Der Chef der spanischen Profifußballer-Gewerkschaft AFE fuhr am Donnerstag direkt vor dem Büro von Ministerin Milagros Tolón auf und forderte: Endlich Schritt für Schritt die Rentenlücken der Veteranen schließen. Wer 1978 für ein paar Peseten kickte, soll heute nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein.
Das Treffen dauerte nur eine Stunde, reichte aber, um zwei heiße Eisen auf den Tisch zu legen. Erstens: Der Entwurf für das erlassene Königliche Dekret, das den Status von Arbeitnehmern für Spieler aus den späten 70er- und frühen 80er-Jahren anerkennt, muss sofort veröffentlicht werden. Zweitens: Die jüngste Reform der Sportversicherung, die im Kongress ohne Fachdebatte durchgewunken wurde, schwächt nach Ansicht der Spielergewerkschaft den Unfallschutz – besonders für Amateure.
Die stille pleite der veteranen
700 bis 1.000 ehemalige Profis sind laut interner AFE-Statistik betroffen. Sie gingen damals aufs Feld, erhielten schwarze oder halb-schwarze Enveloppen, zahlten keine Sozialbeiträge – und kassieren heute Renten, die kaum über 400 Euro liegen. Einige leben in Alterswohnungen, andere sind auf Essensausgaben angewiesen. „Das ist der Preis dafür, dass der Fußball vor 40 Jahren noch kein Milliardenbusiness war“, sagt Aganzo. Er will das jetzt korrigieren, bevor die Betroffenenen im Durchschnittsalter von 68 Jahren sterben.
Die Ministerin signalisierte Bereitschaft, zog aber keine konkrete Zeitlinie. Das nächste Kabinettstreffen ist in vier Wochen. Bis dahin will Aganzo mit einem eigenen Positionspapier nachlegen – inklusive Liste aller betroffenen Klubs und Namen. Der Druck soll steigen.

Der streit um die neue unfallklausel
Weniger diplomatisch verlief der zweite Teil des Gesprächs. Die Reform des Artikels 23.3 der Sportgesetzes streicht die Verweisung auf das Verkehrsunfall-Baremo und überlässt die Festlegung von Entschädigungssätzen künftig der Regierung. Für Aganzo ein Schritt zurück in die Zeit vor 2015, als viele Amateure nach schweren Verletzungen mit leeren Händen dastanden. „Wenn der Staat die Bemessungstabelle entfernt, verhandelt jeder Athlet allein gegen den Versicherer – das ist einfach eine schlechtere Ausgangsposition“, sagt er.
Die Ministerin verwies auf kommende Verordnungen, die die Lücken schließen könnten. Ein genaues Datum nannte sie nicht. Aganzo ließ durchblicken, dass die AFE vor Gericht ziehen wird, falls bis Saisonende keine Nachbesserung erfolgt.
Die Allianz mit der Politik bleibt damit ein Zickzack-Kurs: Gespräche ja, Ultimative nein. Für die 1.800 aktiven Profis in LaLiga und die 12.000 Semi-Profis darunter ist das ein Signal, dass der nächste Konflikt nur eine Frage der Zeit ist. Aganzo kündigte an, die Sommerpause zu nutzen, um landesweite Informationsforen zu organisieren. „Wir lassen nicht zu, dass die Vergangenheit unserer Veteranen und die Zukunft unserer Amateure verramscht wird“, sagte er vor dem Ministerium und stieg mit schnellen Schritten in seinen Wagen. Die Tür fiel laut zu – ein Sound, der in Madrid selten ungehört bleibt.
