Afrikas fußball-stern geht auf: rohr prophezeit ersten wm-titel!
Ein Erdbeben im Weltfußball? Der frühere Nationaltrainer Benins, Gernot Rohr, hält es für möglich: Afrika steht kurz vor seinem ersten WM-Titel. Seine Prognose kommt nicht aus dem Nichts, sondern basiert auf der beeindruckenden Entwicklung afrikanischer Teams, die bei dieser Weltmeisterschaft glänzen.
Defensive stabilität als schlüssel zum erfolg
Rohr betont, dass die Teams vom Kontinent einen enormen Sprung nach vorn gemacht hätten, insbesondere in der Defensivarbeit. „Der große Wurf wird kommen. Daran glaube ich ganz fest“, erklärt er im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Seine Erfahrung als Trainer in Afrika – er war in den letzten 16 Jahren für Gabun, Niger, Burkina Faso, Nigeria und nun Benin verantwortlich – verleiht seinen Aussagen Gewicht.
Die Marokkaner scheinen derzeit am weitesten fortgeschritten zu sein, zeigen aber auch Senegal vielversprechendes Spiel. „Senegal ist auf Tuchfühlung und ein Kandidat fürs Halbfinale“, so Rohr. Die Tatsache, dass neun von zehn afrikanischen Teams die K.o.-Runde erreichten, sei kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit.
Die Strukturen im afrikanischen Fußball haben sich grundlegend gewandelt. Verbände und Vereine investieren in ihre Infrastruktur, die Spieler werden besser bezahlt und die Trainerstäbe sind professioneller. Die Stadien sind modern und die Rasenflächen in Top-Zustand. Die Vorbereitungen auf große Turniere werden zunehmend professionalisiert.

Differenzierung statt pauschalisierung
Rohr und der ehemalige deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah fordern eine differenziertere Betrachtung des afrikanischen Fußballs. „Afrika darf man nicht immer als Einheit sehen, es gibt in den 52 Fußball-Verbänden eine große Diversität mit regionalen Eigenheiten“, erklärt Rohr. „Da gibt es große Unterschiede zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West.“
Besonders hervorzuheben ist das „unorthodoxe“ Spiel vieler afrikanischer Mannschaften, das Rohr schätzt. „Bei Senegal oder Ghana bekommt die Fantasie ihren Platz, die Imagination, das Außergewöhnliche“, sagt er. „Es ist schön, dass es im Weltfußball noch gibt. Nicht alles wird herausanalysiert und auf Effizienz getrimmt.“ Die Leichtfertigkeit und das Spiel mit Gefühl, frei von unnötigen Fesseln, verleihen dem afrikanischen Fußball seinen besonderen Charme.
Die Entwicklung ist unübersehbar: Afrika ist auf dem Vormarsch und bereit, die Welt im Fußball zu überraschen. Die nächste Weltmeisterschaft wird zeigen, ob Rohr's Prophezeiung eintrifft – aber eines ist klar: Der afrikanische Fußball hat sich verändert und wird die Zukunft des Weltfußballs maßgeblich mitgestalten.
