Adeniran jagt das perfekte tor-quartett – und ein eigentor nach 34 sekunden schreibt geschichte

34 Sekunden. Das reichte David Riegler, um sich in die Bundesliga-Annalen einzukratzen. Das früheste Eigentor seit Anton Resch 1990. Der BW-Linz-Verteidiger traf – nur leider ins falsche Netz. TSV Hartberg nutzte den Startfehler sofort, erzielte damit früher als jeder andere Klub in dieser Saison. Die Statistik lacht, Riegler nicht.

Sam adeniran und sein seltsames jäger-prinzip

Der US-Boy vom LASK schießt, als hätte er eine Checkliste. Klagenfurt – Haken. Austria – Haken. Rapid – Haken. BW Linz, GAK, WSG Tirol – alles abgehakt. Sieben Gegner, sieben Tore. Kein Club durfte zweimal ran. „Erst einmal jedem weh tun, dann überlegen, wem ein zweiter Streich vergönnt ist“, sagt ein Teammate lachend. Adeniran selbst schmunzelt nur: „Ich nehme, was kommt.“ Seine Quote: 100 Prozent Erstliga-Teams erledigt, 0 Prozent Wiederholungstäter.

Dabei war das 3:1 gegen den WAC kein Solo. Maximilian Entrup, einst 12-Tore-Mann, beendete mit seinem Kopfball das 18-Spiele-Trockengebiet. Aleksandar Dragovic traf zum zweiten Mal in Serie – davor brauchte er 113 Partien für seinen ersten Bundesliga-Treffer. Ademola Ola-Adebomi schoss mit seinem dritten Schuss aufs Tor überhaupt das erste Mal ein. Die Liga verwandelt sich in ein Theater der Überraschungen.

Die baumgartner-formel: nur per standard, nie per flanke

Die baumgartner-formel: nur per standard, nie per flanke

WAC-Kapitän Dominik Baumgartner ist das Gegenteil von Adeniran. Zehn Treffer, alle nach Standards. Acht per Kopf, zwei nach Ecke oder Freistoß-Quetschball. Ein Flusen aus dem Spiel heraus? Fehlanzeige. „Ich hab keine Ahnung, wie ein Feld-Tor riecht“, scherzt er. Trainer Florian Kohfeldt nickt: „Domi ist unser Sicherheitsgurt aus der Luft.“ Die Frage bleibt: wird er jemals ein Tor erzielen, das nicht vorher vom Schiedsrichter eingeläutet wurde? Die Antwort schuldigt er sich für den Frühling auf.

Die Runde lückte weitere Kuriositäten auf. Sturm-Altacher mit je drei Spielern, die 12 Zweikämpfe gewannen – so viel Rostigkeit gab’s noch nie an einem Tag. Jannik Schuster sammelte 104 Ballaktionen, Salzburg aber blieb dreimal in Folge torlos – das passierte zuletzt 2007. Und GAK-Keeper Franz Stolz spielte 53 Pässe, mehr als jeder Feldspieler seines Teams. Torhüter als Quarterback, Abwehr als Statist.

Der TSV Hartberg blieb in den ersten fünf Frühjahrsrunden ungeschlagen – ein kleiner Rekord für den Club, der einst als Aufsteiger galt und nun als Unbeirrbarer. Der FK Austria traf in allen 11 Auswärtsspielen – ein Kunststück, das nur drei Mal in der Klubhistorie gelang. Die Tore fallen, die Geschichten überschlagen sich.

Die Bundesliga wirkt wie ein Würfelbecher: jede Runde schüttet neue Kombinationen aus. Adeniran will den perfekten Satz vollenden, Baumgartner sucht das Tor ohne Standard-Skript, und Riegler? Der wünscht sich wohl nur eins: eine Uhr, die man zurückdrehen kann. 34 Sekunden sind schnell – aber schneller noch ist das Vergessen im nächsten Spieltag. Darauf wettet die Liga, darauf setzen die Fans, und darauf zocken die Spieler, die wissen: Geschichte schreibt sich immer nur für 90 Minuten, dann beginnt von vorn das Rennen.