Abschied von cortemaggiore: das ende einer ära italienischer energieautarkie

Ein Stück italienische Industriegeschichte ist zu Ende gegangen: Nach 77 Jahren wurde der erste Bohrbrunnen des Cortemaggiore-Ölfelds, das die Motorisierung des Landes maßgeblich vorantrieb, endgültig versiegelt. Ein bewegendes Kapitel, das von Pioniergeist, wirtschaftlichem Aufschwung und dem unermüdlichen Streben nach Unabhängigkeit erzählt.

Von enrico mattei gewollt: der grundstein der italienischen ölförderung

Von enrico mattei gewollt: der grundstein der italienischen ölförderung

Der Brunnen 1, getrieben vom visionären Engagement von Enrico Mattei, wurde im Juni 1949 in Cortemaggiore, Provinz Piacenza, niedergebracht. Mattei erkannte das Potenzial dieses bescheidenen Feldes und trieb dessen Entwicklung voran, indem er weitere Bohrungen in der näheren Umgebung anordnete. Es war der Beginn einer neuen Ära, in der Italien seine eigene Energiequelle erschließen konnte – weit mehr als nur ein Loch im Boden.

Die „Supercortemaggiore“ – Einzigartig im Geschmack Das Öl aus Cortemaggiore wurde zur „Supercortemaggiore“ veredelt, ein Benzin, das sich durch seine ausschließliche Herkunft aus italienischem Erdöl auszeichnete und somit ein Symbol nationalen Stolzes wurde. Die Marke wurde durch ein ebenso markantes wie ungewöhnliches Logo untermalt: den sechsbeinigen Hund, der aus der Feder von Luigi Broggini stammte und von Giuseppe Guzzi eingereicht wurde.

Die Entstehung des Logos ist ebenso bemerkenswert wie seine Wirkung. 1952 rief Enrico Mattei einen öffentlichen Wettbewerb aus, um ein passendes Markenzeichen für sein neues Benzin zu finden. Das gewählte Design, ein sechsbeiniger schwarzer Hund, der eine Flamme speit, symbolisierte die Verbindung zwischen den vier Rädern des Autos und den zwei Beinen des Fahrers – ein genialer Schachzug, der das Produkt tief in das Bewusstsein der italienischen Bevölkerung einprägte. Die Eni nutzte diesen einzigartigen Look auch in einer legendären Werbekampagne mit Luciano Emmer und Beteiligung des jungen Dario Fo.

Die Bedeutung des Cortemaggiore-Feldes geht über seine bescheidene Größe hinaus. Es demonstrierte eindrucksvoll, dass Italien in der Lage war, eine eigenständige Energiepolitik zu verfolgen und sich von der Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu lösen. Über 48 Jahre hinweg wurden 726.000 Barrel Erdöl gefördert, eine Menge, die damals den jährlichen Bedarf des Landes fast verdoppelte. Allerdings waren diese Jahre auch von Unfällen und Bränden geprägt, die die Risiken des Ölgeschäfts verdeutlichten.

Nach der Stilllegung 1996 diente das Feld als nationales Gasspeicher, bevor nun der erste Bohrbrunnen endgültig versiegelt wurde. Während einige Bohrungen weiterhin für die Gaslagerung genutzt werden, markiert diese Maßnahme das Ende einer Ära und den Abschied von einer Zeit, in der die Automobilindustrie und der wirtschaftliche Aufschwung eng miteinander verbunden waren. Die Arbeiter von Stogit, einer Tochtergesellschaft von Snam, haben die Aufgabe übernommen, den Brunnen mit vier Zementstopfen zu versiegeln und die Fläche in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuverwandeln – ein letzter Akt des Respekts vor der Vergangenheit.

Die Errichtung einer 25 Meter hohen Bohrinsel, der Einsatz von 25 Arbeitern und die sorgfältige Entfernung alter Rohrleitungen, die bis zu 1500 Meter tief reichen, zeugen von der Komplexität und Bedeutung dieses Abschlusses. Es ist nicht nur das Ende eines Bohrlochs, sondern das Ende eines Kapitels in der Geschichte Italiens.