7000 Fans verwandeln imola in ein ohrenbetäubendes lamborghini-meer
Der Santerno-Kreis wurde zur Kathedrale des Stiers: 450 Lamborghini, 7000 Gläubige, zwei Tage Dauerdrohnung. Die zweite Auflage der Lamborghini Arena hat das Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari in eine rollende Leg verwandelt – und mir die Sprache verschlagen.
Die miura-prozession war ein sakraler moment
20 Miura, die erste Supercar-Welt überhaupt, schlängelten sich sonntags in Reih und Glied über die Start-Ziel-Gerade. Ich stand auf der Tribüne, 60 Jahre nach der Premiere, und hörte, wie die zwölf Zylinder in der warmen Mai-Luft sangen. Dahinter: 430 weitere Stiere, von 400 GT bis Revuelto, als wäre die Zeit ein Kreisverkehr.
Doch das Spektakel war nur die Hülle. Im Lamborghini Arena Village ging es um die Seele. Ad Personam zeigte Urus SE, Temerario und Revuelto in Lackierungen, die so individuell sind wie Fingerabdrücke. Das Polo Storico ließ Besucher Aluminium riechen und Leder fühlen, das 1966 schon verführerisch roch.

Die fenomeno roadster enthüllt sich als 5-millionen-euro-blitz
Abends, in der Party Night auf dem Bologna Fiera-Gelände, zog Stephan Winkelmann den Tuch vom 15. Mal: Fenomeno Roadster, 1.080 PS, 2,4 Sekunden auf 100, Spitze jenseits von 340 km/h. Drei E-Motoren plus atmosphärischer 6,5-Liter-V12 – der stärkste Zwölfzylinder, den Sant’Agata je baute. Preis: rund fünf Millionen, plus Steuern, plus Nervenkitzel.
Die Ingenieure erklärten mir am Simulator, wie sie den Klang chirurgisch schärfen. Mikrofone in den Auspufftopf, Datenbank mit 3.000 Streckenprofilen, ein Hörerlebnis, das sich zwischen 2.000 und 9.000 U/min wie ein Crescendo bewegt. „Wir bauen keine Autos, wir bauen Gänsehaut“, sagte einer der Techniker halb lachend, halb betend.
Super trofeo: frabon und rytter lassen die reifen sprechen
Zwischen den Paraden erlebte der Lamborghini Super Trofeo Europa sein zweites Saisonrennen. Patrick Frabon und Silas Rytter vom Oregon Team rissen sich beide Läufe unter den Nagel – selbst auf nassem Asphalt, wo die Huracán Super Trofeo EVO2 ihr letztes Jahr als Rennplattform feiert. Ab 2027 übernimmt die Temerario Super Trofeo, bereits jetzt im Village als Prototyp zu sehen.
Die Zuschauerzahlen sprechen eine klare Sprache: 7.000 Tickets, 45 Nationen, 1,2 Millionen Instagram-Impressions binnen 48 Stunden. Lamborghini hat aus einer Kundennacht eine globale Pilgerfahrt gemacht – und aus Imola eine 4,9-Kilometer-lange Begegnungszone zwischen Mythos und Zukunft.
Als die letzte Miura die Boxengasse verließ, blieb ein leiser Nachhall. Nicht nur vom Auspuff. Es war das Gefühl, etwas gesehen zu haben, das sich nicht in Leistungsdaten fassen lässt: eine Marke, die ihre eigene Anhängerschaft erfindet – und dann einlädt, mitzufahren. Wer nächstes Jahr dabei sein will, sollte jetzt schon den Kalender markieren und das Sparbuch plündern. Die dritte Arena kommt. Und sie wird lauter.
