70 Klubs erheben stimme gegen dfb-privilegien – regionalliga-reform droht machtpoker
Kaum ein Ball rollt, schon knallt die nächste Bombe. Die Aufstiegsrebellen aus dem Nordosten haben ihre Fangemeinde auf über 70 Klubs aus fünf Ligen erweitert – und das nur drei Wochen, nachdem der DFB ihre Petition vorerst auf Eis legte. Germania Halberstadt, VfL Halle 96, Atlas Delmenhorst, SC Spelle-Venhaus und BSV Schwarz-Weiß Rehden unterschrieben am Montag in Chemnitz. Damit ist die Schallmauer von 70 offiziellen Bündnispartnern gesprengt – ein Signal, das bis zur Bundesliga vibriert.
Der kompass zeigt nach oben – aber nicht richtung frankfurt
Die Reformer pochen auf das Kompass-Modell: vier gleich große Aufstiegszonen statt der momentanen Nord-Süd-Schieflage, zwei fixe Aufsteiger pro Zone, dazu Play-offs der Vizemeister. Klingt nach mehr Chancen, bedeutet aber auch: Kein automatischer Platz mehr für U-23-Teams der Profis, kein Rettungsring für Traditionsklubs mit großem Etat. „Wir wollen Leistung belohnen, nicht Postleitzahlen“, sagt ein Sprecher der Initiative, der lieber anonym bleibt – schließlich arbeiten einige Mitstreiter noch beim DFB.
Die Zahl spricht für sich: 70 Klubs aus 5 Ligen, vom 1. FC Union Berlin bis zum Oberligisten aus Plauen. Dahinter steckt mehr als Frust über Reisekosten. Es geht um Macht. Der DFB behält sich vor, die Reform erst nach der Europameisterschaft 2024 zu beraten – ein Timing, das die Rebellen als Ablenkungsmanöver werten. Ihr Druckmittel: Die Klubs drohen mit gemeinsamen Medienboykott und mit rechtlichen Schritten gegen die Statuten, sollte der Verband weitere Aufschübe beschließen.

Warum union berlin plötzlich mitmacht
Der 1. FC Union hat sich bisher rausgehalten. Nun unterschreibt auch die Köpenicker Lizenzspielerabteilung. Intern heißt es, man wolle verhindern, dass künftige Talente wegen mangelnder Perspektive ins Ausland abwandern. Die Berliner wissen: Wenn die Regionalligen veröden, trocknet auch ihre eigene Talentpipeline aus. Ein Selbstschutzmechanismus, verpackt als Solidarität.
Der DFB kontert mit Zahlen: Die letzten drei Aufstiegsrunden seien bislang alle ohne große Überraschung verlaufen, die Zuschauerzahlen stiegen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. In der Nord-Staffel kassierte der Tabellenvierte mehr Punkte als der Südstaffel-Zweite – und blieb trotzdem hängen. Genau diese Schieflage wollen die Rebellen beseitigen.
Die nächste Eskalationsstufe ist schon geplant: Sollte der DFB bis Pfingsten keine Arbeitsgruppe einberufen, wollen die 70 Klubs gemeinsam eine Interessengemeinschaft gründen und parallel eine eigene TV-Rechteverhandlung aufmachen. Der Verband würde damit nicht nur Macht verlieren, sondern auch Einnahmen. Die Drohung ist realer denn je – und sie kommt nicht von irgendwo, sondern aus der Mitte des Amateurfußballs, der seit Jahrzehnten als Stimmvieh der Verbände gilt.
Die Uhr tickt. Die Rebellen haben ihren Kompass justiert. Ob der DFB mitkommt oder auf Kollisionskurs geht, entscheidet sich in den nächsten 60 Tagen. Wer jetzt nachgibt, verliert nicht nur die Deutungshoheit über die dritte Liga – sondern möglicherweise auch die Seele des Fußballs jenseits der Profi-Bühnen.
