63-Jähriger läufer startet zum 20. mal beim rbb-lauf: seine motivation ist ein vorbild

Er kennt jede Kopfsteinpflasterdelle zwischen Glienicker Brücke und Park Babelsberg, spürt den Wind über der Havel, bevor er sichtbar wird, und hört die Stimme des Lautsprechers schon, wenn andere noch am Schließfach rumhängen. Stefan Lanner ist kein Gast – er ist Möbelstück des rbb-Laufs. Am 26. April steht der 63-Jährige zum 20. Mal an der Startlinie, nur 2023 verpasste er das Rennen wegen einer Hüft-OP. „Fehlte mir komplett“, sagt er, „ich hatte Weihnachten ohne Plätzchen-Orgasmus.“

Die gruppe zieht, der puls bleibt

Lanner trainiert dreimal die Woche mit seiner selbst gegründeten Laufgruppe „Potsdam Pace Makers“. 47 Mitglieder, Altersdurchschnitt 54, WhatsApp-Name: „Ampeln ignorieren“. Intervall, Fartlek, Bergstaffel – alles drin. „Wenn ich alleine bin, quatsche ich an der roten Ampel den Busfahrer tot“, lacht er. „In der Gruppe schreit mich keiner an, ich schreie die anderen an. Funktioniert.“ Der Ex-Raucher hat seine 10-km-Bestzeit seit 2010 um acht Minuten gedrückt, auf 47:13 Minuten. Kein Profi-Niveau, aber eine Ohrfeige für alle, die behaupten, nach 60 sei Schluss.

Der profi, der den stammgast coacht

Der profi, der den stammgast coacht

Jens Karraß, ehemaliger Deutscher Meister über 10 000 m, übernahm Lanners Planung vor drei Jahren. „Ich gebe ihm drei Workouts pro Woche, er gibt mir dafür seine Unterschrift auf jedem Startbeleg“, sagt Karraß. „Stefan ist lebendiger Beweis, dass Laufen keine Altersfrage, sondern eine Willensfrage ist.“ Karraß misst Lanners VO2max alle zwölf Woche – Wert steigt trotz Alter leicht, weil Lanner sein Gewicht von einst 89 kg auf 74 kg reduzierte. „Meine Frau sagt, ich sei vom Bierbauch-Modell auf den Kleingarten-Drahtesel umgestiegen“, scherzt Lanner.

Die medaille, die keiner verschenken will

Die medaille, die keiner verschenken will

In einem Holzkasten im Flur liegen 19 Medaillen, sortiert nach Jahren. Die von 2018 ist verbogen – Sturz auf Kopfsteinpflaster bei Kilometer 9. „Habe trotzdem weitergerannt, Blut lief ins Schuhwerk, aber der Zielbogen war vor mir“, erzählt er. Die Schramme auf dem linken Knie sieht heute noch aus wie ein Satellitenbild von Brandenburg. Nächsten Sonntag kommt Nummer 20 dazu. Lanner will unter 48 Minuten bleiben, vor dem Besenwagen. „Sobald ich die Musik des Folgewagens höre, renne ich wie ein Teenager, der den letzten Bus kriegt.“

Kein ende in sicht – nur eine deadline

Kein ende in sicht – nur eine deadline

„Zwei, drei Jahre, dann höre ich auf“, sagt er, während er die Schnürsenkel seiner gelb-blauen Asics bindet – Modell GT-2000, mittlere Stufe. Danach will er sich aufs Rad schwingen, vielleicht eine Radreise nach Usedom. Aber bis dahin: „Erstmal den Dritten mitnehmen.“ Sein Sohn hat schon angekündigt, 2027 mitzumachen. Dann wären es zwei Generationen auf einer Strecke. „Wenn er mich überholt, werde ich ihn bremsen“, lacht Lanner. „Scherz. Vielleicht.“

Anmelden kann man sich noch bis Freitag online, Startgebühr 25 Euro, T-Shirt inklusive. Wer spontan kommt, kriegt am Sonntag ab 8 Uhr noch ein Startband – so lange der Vorrat reicht. Lanners Tipp: „Nicht zu schnell los, die Brücke lügt. Wer nach zwei Kilometren glaubt, er fliege, kriegt auf der Havelpromenade die Rechnung.“