40 Jahre danach: das finale, das maradona zum könig machte
Vier Jahrzehnte liegen zwischen uns und jenem Nachmittag im Aztekenstadion, als Diego Armando Maradona den Thron bestieg. Der 29. Juni 1986 markierte nicht nur einen WM-Titel für Argentinien – er krönte einen Mann, der den Fußball neu erfinden würde. Heute, am 40. Jahrestag dieser Partie, öffnet sich ein Fenster in eine Ära, in der noch alles anders war.
Wie ein torero durch die arena
Die Geschichte beginnt mit einem ungewöhnlichen Helden. Roberto Cejas, ein einfacher Fan aus Santa Fe, hatte sich mit kaum Geld nach Mexiko durchgeschlagen. Was folgte, wäre heute unmöglich: Nach dem Schlusspfiff hob er Maradona auf seine Schultern und trug ihn durch das Stadion – ein Bild, das die argentinische Fußballseele für immer prägte. Cejas, der erst vor wenigen Monaten mit 68 Jahren starb, erlebte noch die Krönung von Lionel Messi in Katar. Doch 2022 hob Sergio Agüero den neuen König, nicht ein Fan.
Die Partie selbst war ein Drama in fünf Akten. José Luis Brown, genannt El Tata, köpfte die Albiceleste in Führung – und spielte danach mit einem Loch in seinem Trikot. Seine Schulter hatte sich ausgekugelt, die Ärzte schnitten die Uniform auf, damit er weitermachen konnte. Ein Bild für die Ewigkeit, heute viral, damals purer Wahnsinn.

Deutsche widerstandskraft gegen argentinischen genie
Jorge Valdano schien alles zu entscheiden, als er zum 2:0 traf. Doch die deutsche Mannschaft kannte kein Aufgeben. Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler, eingewechselt und hungrig, schraubten das Ergebnis binnen sieben Minuten zum 2:2 hoch. Das Aztekenstadion hielt den Atem an.
Dann kam die 84. Minute. Jorge Burruchaga, durchgebrochen wie ein Pfeil, überwand Harald Schumacher. 3:2. Maradona hatte seine Krone. Der Weg dorthin war steinig gewesen: Südkorea, Italien, Bulgarien in der Gruppe, dann Uruguay, das berühmte Viertelfinale gegen England mit dem Tor des Jahrhunderts, das Halbfinale gegen Belgien.
Die zweite argentinische Sterne auf dem Trikot. Nach Mario Kempes 1978 nun El Diez. Zwei Welten, eine Nation. Messi würde 2022 die dritte hinzufügen, doch der Schatten von Mexiko-Stadt bleibt unverwischt. Die Aufstellungen jenes Tages lesen sich wie ein Who's Who der Geschichte: Lothar Matthäus, Andreas Brehme, Felix Magath auf deutscher Seite; Nery Pumpido, Oscar Ruggeri, Julio Olarticoechea bei den Südamerikanern.
Heute feiert Valdano den Jubiläum als Kommentator bei Telemundo, während die Fußballwelt erneut über die Grenzen des Möglichen debattiert. Maradona starb 2020, Cejas 2024. Die Bilder aber überdauern: Ein zerrissenes Trikot, ein König auf den Schultern eines Unbekannten, ein Moment, in dem Sport zur Legende wurde.
