3:3 Im 100. rhein-derby: castrop trifft doppelt, kwasniok zittert weiter

28 Sekunden. So lange brauchte Jens Castrop, um Köln den Wind aus den Segeln zu nehmen. 90 Minuten später war der ehemalige FC-Angreifer der beste Mann auf dem Platz – und trotzdem blieb das 100. Bundesliga-Derby ohne Sieger.

Castrop jagt neumann, köln jagt die form

Der Knall war kaum verklungen, da lag der Ball schon im Netz. Castrop nutzte das erste Zögern des 19-jährigen Innenverteidigers Cenny Neumann, sprintete in die Tiefe und schob flach ein. Die Gladbacher Bank explodierte, der Müngersdorfer Fanblock verstummte. Doch die Antwort folgte auf dem Fuße: Isak Johannesson schickte El Mala, der mit links ins lange Eck traf. Zwei Minuten später war es wieder Kaminski, der flankte – Ache köpfte zur 2:1-Führung ein. Das Stadion bebte, die Hausherren schüttelten die Negativserie ab.

Aber der FC verteidigt seit Wochen wie ein Kollegienteam. Philipp Sander stellte nach 20 Minuten auf 2:2, wieder war Castrop der Vorbereiter. Die Partie raste, die Abwehrreihen rutschten auseinander. Erst nach der Pause fand Gladbach die nötige Ruhe. Castrop – wer sonst – ließ Neumann erneut alt aussehen, zog aus 18 Metern ab und traf unhaltbar. Das 3:2 war gleichzeitig die Vorentscheidung, denn Köln fand danach kein Mittel mehr gegen die kompakte Fünferkette der Gäste.

Martel rettet köln, kwasniok rettet sich selbst

Martel rettet köln, kwasniok rettet sich selbst

Die 84. Minute: Kaminski zirkelt eine Ecke von links, Eric Martel steigt am höchsten und drückt den Ball unter die Latte. 3:3 – der Ausgleich, der Köln vor der kompletten Blamage bewahrte. Zwei Minuten später sieht Martel Gelb-Rot wegen eines Ellenbogenchecks. Die letzten fünf Minuten übersteht der FC in Unterzahl, die Gladbacher drücken, aber Schwäbe pariert stark. Am Ende steht ein Remis, das beiden Seiten wenig hilft: Köln wartet seit sieben Spielen auf einen Sieg, Gladbach verspielt wichtige Punkte im Kampf um die Europa-League-Plätze.

Lukas Kwasniok atmet durch. Der Trainer hatte sich zuletzt heftige Kritik gefallen lassen müssen, doch nach diesem spektakulären Remis dürfte er zumindest für ein paar Tage Ruhe haben. Die Frage bleibt: Wie lange hält diese Atempause, wenn die Defensive weiterhin jeden Gegenstoß zum Kräftemessen macht? Der FC spielt am 5. April in Frankfurt, Gladbach empfängt einen Tag zuvor Schlusslicht Heidenheim. Die Saerie ist längst noch nicht gerettet – auf beiden Seiten des Rheins.