22 Hooligans vor gericht: wiener derby wird zur knast-allergie
Ein halbes Jahr nach dem 343. Wiener Derby rollt der Ball nicht, sondern die Anklage. 22 Männer zwischen 19 und 62 Jahren müssen sich ab Montag vor dem Landesgericht für Strafsachen verantworten, weil sie aus dem Fußballstadion eine Schlachtzone gemacht haben. Die Anklage lautet auf schwere gemeinschaftliche Körperverletzung – ein Paragraph, der bis zu zehn Jahre Gefängnis erlaubt.
Was im september 2024 im allianz stadion wirklich passierte
Die Protokolle lesen sich wie ein Drehbuch für einen Endzeitfilm. Bengalische Feuer flogen schon während des Spiels Richtung Polizeikette, am Ende pfiffen vermummte Austria-Fans den Rapid-Anhängern den Kampf auf. Die Antwort kam sekundenschnell: Grün-Weiße stürmten über den Rasen, Fahnenstangen wurden zu Waffen, ein Austrianer flog in Kung-Fu-Manier durch die Luft. Resultat: ein Polizist mit Tinnitus, eine Beamtin mit Verbrennungen, ein Zuschauer mit drei Gesichtsbrüchen und einem kaputten Kiefer.
Die Ermittler werteten zig Kameras und Handydaten aus. Drei der Beschuldigten konnten keinem Klub zugeordnet werden – ein Indiz dafür, dass es bei vielen nicht um Fußball, sondern um Randale als Drogensurrogat geht. Die Bundesliga reagierte mit Geldstrafen von je 150.000 Euro für Rapid und Austria sowie vier Geister-Derbys ohne Auswärtsfans. Die Vereine zahlten, die Gewalt blieb. Am 15. Februar 2026 flogen wieder Böller, das Spiel wurde unterbrochen, die nächsten Strafen folgten.

Warum das verfahren eine zerreißprobe für den österreichischen fußball wird
Mehr als ein Jahr nach den Tumulten steht nun die Frage im Raum, ob sich die Szene selbst reinigt oder ob der Staat einschreitet. Die Anklage wirft den 22 Männern vor, sich gezielt als gewaltbereite Männerrunde organisiert zu haben. Das Gericht hat elf Verhandlungstage bis 21. April terminiert, das Gebäude wird von einem massiven Polizeiaufgebot gesichert. Die Logistik ist so aufwendig wie selten: alle Angeklagten werden gemeinsam verhandelt, keine Trennung in Fan-Lager.
Für die Vereine ist der Prozess ein PR-Desaster. Jeder Prozesstag schlägt Wellen bis in die Fanforen, jedes Detail schadet der Marke „Wiener Fußball“. Die Liga diskutiert bereits über weitere Stadionsperren, möglicherweise sogar Geisterspiele, falls sich das Urteil als Signal für weitere Randalierer versteht. Die Richter wissen: Sie setzen hier nicht nur Strafmaßstäbe, sondern auch einen Präzedenzfall für künftige Eskalationen.
Christian Schneider ist Sportredakteur bei TSV Pelkum Sportwelt und verfolgt seit Jahren die Entwicklung der Fan-Szene. Er sagt: „Wenn Fußball-Fans glauben, Straftaten se Teil des Spiels, dann haben sie den Sport nicht verstanden. Der Platz ist kein Schlachtfeld, sondern ein Spielfeld. Wer das nicht kapieren will, gehört nicht in ein Stadion, sondern vor das Kadi.“
