22 Hooligans vor gericht: platzsturm beim wiener derby kostet fans jetzt die freiheit
Der 343. Wiener Derby war erst vorbei, da flog schon die erste Leuchtrakete. Sekunden später rissen vermummte Austria-Anhänger das Tor zu Sektor 7 aus den Angeln, stürmten den Rasen und jagten die Rapid-Fankurve. Was folgte, liest sich wie ein Kapitel aus dem Buch der verlorenen Kontrolle: Schlagstöcke aus Fahnenmasten, Kung-Fu-Tritte, Trinkbecher voller Urin. Jetzt sitzen 22 Männer zwischen 18 und 60 Jahren auf der Anklagebank – und keiner von ihnen wird diesmal ungeschoren davonkommen.
Staatsanwältin wirft schwere gemeinschaftliche gewalt vor
Die Anklage lautet auf § 274 StGB, also schwere gemeinschaftliche Gewalt. Die Vorwürte sind nichts für schwache Nerven: Eine Polizeibeamtin erlitt Brandverletzungen, ein Kollege bleibt auf dem linken Ohr taub. Ein Fan zog sich einen Dreifachbruch im Gesicht ein – Kieferhöhle, Augenhöhle, Jochbein – und landete auf der Intensiv. Die Bundesanwaltschaft zeichnet ein Bild von organisierter Zerstörungswut, nicht von spontanem Rausch.
Die Zahlen sind eindeutig: 19 der Beschuldigten stehen in der Austria-Ecke, nur drei konnten keinem Klub zugeordnet werden. Der Großteil war bislang unbescholten, doch einer bringt neun Vorstrafen mit, ein anderer war schon zweimal wegen Körperverletzung verurteilt. Für den Dauersünder, der zusätzlich im Nebenverfahren wegen Platzsturms unter Alkohol neun Monate bedingt kassiert hat, dürfte diesmal kein Richter mehr ein Händchen haben.

Vereine bluten: 150 000 euro strafe und geisterspiele
Die Konsequenzen für Rapid und Austria waren schnell klar: 150 000 Euro Geldstrafe für jeden Klub, vier Derby-Duelle ohne Auswärtsfans. Die Liga wollte ein Exempel statuieren, doch die Botschaft verpuffte. Bereits am 15. Februar 2026 flogen bei der Austria wieder Böller, das Spiel wurde unterbrochen. Rapid zahlte weitere 100 000 Euro und muss drei Top-Heimspiele vor leeren Rängen bestreiten. Die Austria kassierte 48 400 Euro, weil Pyro nicht genehmigt war.
Doch die Sanktionen treffen nicht nur die Kassen. Die Bilder gingen um die Welt und beschädigten das Image des österreichischen Fußballs bis nach Zürich und Nyon. Sponsoren ziehen sich zurück, Familien bleiben weg, und die Politik fordert erneut Stadionverbote statt Geldstrafen. Die Debatte ist längst entfacht: Wie viel Härte verträgt die Szene, bevor sich das letzte bürgerliche Fan-Momentum in Gewalt auflöst?

Prozess bis 21. april – urteil soll abschrecken
Die Hauptverhandlung läuft bis zum 21. April auf elf Terminen. Die Richter wollen ein Signal setzen: Wer den Rasen als Schlachtfeld missbraucht, verliert nicht nur den Platz, sondern auch die Freiheit. Die Verteidiger werden auf Mitläufertum und Gruppendynamik pochen, doch die Videoaufzeichnungen sind lückenlos. Jeder Tritt, jede Rakete ist dokumentiert. Für manche Angeklagte drohen bis zu drei Jahre Haft, für Serientäter noch mehr.
Am Ende bleibt eine verschmorte Arena, verletzte Ordner und ein gebrochenes Vertrauen. Die Fans, die sich einst auf der Südtribüne die Händ schüttelten, schauen sich heute mit Hass. Die Frage ist nicht mehr, ob es weitere Derbys gibt – sondern ob sie jemals wieder sicher sein werden. Die Antwort fällt im April. Und sie wird gnadenlos lauten.
