219 Punkte rückstand: aicher jagt shiffrin – die letzten neun rennen werden brutal

219 Punkte. So viel trennt Emma Aicher von Mikaela Shiffrin. Klingt nach einer Menge. Ist es auch. Aber: Neun Rennen sind noch zu fahren. Und Aicher? Die ist gerade erst richtig warm geworden.

Soldeu war der aufgalopp

Platz vier, Sieg, Platz zwei. Das vergangene Wochenende in Andorra war kein Zufall, sondern eine Ansage. Aicher fuhr wie besessen, nahm in drei Tagen 240 Punkte mit. Shiffrin? Musste zusehen. Die Amerikanerin ist verletzt, seit Olympia nicht mehr auf Skiern gestanden. Ein Timing, das Aichers Team perfekt nennt. „Die Chance ist da“, sagt Felix Neureuther. „Aber sie muss in jedem Rennen aufs Podest.“

Die Rechnung ist simpel: Sieg bringt 100 Punkte, Rang zwei 80, Platz drei noch 60. Theoretisch könnte Aicher also in zwei, drei Rennen alles drehen. Theorie. Praxis sieht anders aus. Shiffrin ist keine Laufkundschaft. Slalom? Ihr Wohnzimmer. Riesenslalom? Auch da holt sie normaler 50, 60 Punkte pro Start. Camille Rast lauert zusätzlich. Die Schweizerin steht zwischen den beiden, 963 Zähler, nur 14 Punkte hinter Aicher. Dreikampf statt Zweikampf.

Val di fassa wird die erste feuerprobe

Val di fassa wird die erste feuerprobe

Freitag geht’s los, zwei Abfahrten, ein Super-G. Aicher liebt Speed, hat in dieser Disziplin bereits zweimal gewonnen. 94 Punkte fehlen ihr auch in der Abfahrtswertung auf Lindsey Vonn, die seit ihrem Sturz in Cortina pausiert. „Es muss alles zusammenpassen“, sagt Neureuther. „Startnummer, Wetter, Material. Und sie muss sich trauen.“

Maria Höfl-Riesch kennt das Gefühl. 2012 holte sie sich vor Vonn die große Kugel, 2014 schwanden ihre eigenen Vorsprünge nach Olympia rapide. „Die Shiffrin muss auch erst mal beide Slaloms gewinnen“, sagt sie. „Und Emma muss kühl bleiben. Sie ist die Coolste überhaupt.“

Coolness wird gebraucht. Denn selbst wenn Aicher in Val di Fassa alles abräumt, bleiben noch sechs Rennen. Shiffrin wird zurückkommen. Slalom in Åre, Slalom in Saalbach. 200 Punkte sind da schnell weg. „Dann reden wir plötzlich von 400 Punkten Differenz“, so Neureuther. „Da muss man die Kirche im Dorf lassen.“

Der aufstieg ist ohnehin atemberaubend

Der aufstieg ist ohnehin atemberaubend

Vor zwölf Monaten war Aicher Außenseiterin. Heute redet ganz Deutschland über sie. Sieben Weltcup-Siege, zweimal Olympiazweite, einmal Weltmeister-Bronze. „Ein Brett“, sagt Neureuther. „Das Zusammenspiel mit Kira Weidle-Winkelmann funktioniert perfekt.“

Und jetzt? Jetzt heißt es Warten. Auf Schnee. Auf Startnummer eins. Auf den Lauf ihres Lebens. Neun Rennen, neuneinhalb Stunden Weltcup-Pur. „Die Emma macht einfach ihr Ding“, sagt Riesch. Wenn das Ding am Ende zur großen Kugel reicht, wäre es die größte Sensation des alpinen Skisports seit 2012. Ohne wenn und aber.