19-Jähriger schmeißt vettel vom thron: antonelli jüngster pole-mann aller zeiten
Kimi Antonelli hat die Formel 1 in Sekundenschnelle auf den Kopf gestellt. Mit 19 Jahren und 201 Tagen raste der Mercedes-Youngster im Qualifying zum Großen Preis von China auf Startplatz eins – und riss Sebastian Vettel den Rekord für die jüngste Pole-Position aus der Hand. Der Italiener war 1,6 Sekunden schneller als der damalige Toro-Rosso-Pilot 2008 in Monza.
Antonelli: „habe nur gas gegeben, mehr nicht“
Die Zahlen sind schon verrückt: 1:30,2 Minuten Rundenzeit, keine Spur von Nervosität, null ausschweifende Drifts. „Ich habe die Bremspunkte einfach spürbar später genommen, die Traktion war da, also bin ich durch“, sagte Antonelli, als hätte er gerade nur einen Spaziergang gemacht. Dabei war die Session alles andere als entspannt: Asphalt-Temperaturen von 42 Grad, Windböen, die die Boliden auf der 1,2-Kilometer-Zielgeraden leicht verhoben – und ein Teamkollege, der kurz vor dem Aussetzen des Motors stand.
George Russell musste mit reduziertem E-Mode fahren, nachdem die Kühlung zuvor Alarm schlug. Dennoch reichte es für Rang zwei. „Wir haben die Daten sofort umgeschaltet, die Ingenieuren haben mir einfach gesagt: Push, aber pass auf den Temperaturfleck auf dem Display auf. Das war wie auf roten Ampeln durchfahren“, lachte der Brite. Hamilton landete im Ferrari auf drei – und bewies, dass die SF-24 mit frischem Heckflügel endlich wieder mit Red-Bull-Top-Speed mithalten kann.

Verstappen blutet – und hülkenberg schläft auf platz elf
Max Verstappen dagegen schüttelte nur den Kopf. Der Weltmeister schaffte es nicht, die RB20 in das Q3-Fenster zu zwingen, landete auf Rang acht. „Wir haben Untersteuern wie ein Lastwagen, ich komme nicht ins Drehmoment“, knurrte der Niederländer. Noch härter traf es Nico Hülkenberg: Der Deutsche verpasste mit dem Audi-Projekt die Top-Ten um 0,047 Sekunden – die Differenz zwischen Jubel und Jogging-Anzug.
Die Strecke in Shanghai ist bekannt dafür, dass Reifenmanagement die Königsklasse bestimmt. Antonelli startet auf weichen Mischungen, hat aber bereits angekündigt, auf ein früheres Safety-Car zu hoffen. „Dann kann ich die härteren Reifen sparen und weiterrätseln“, sagt er. Die Boxencrew von Mercedes hat bereits zweimal in dieser Saison die falsche Strategie gewählt; diesmal will Strategiechef James Vowles laut internem Rundschreiben „kein Risiko bis zur letzten Umdrehung“.
Mit 24 Stunden Vorlauf hat Antonelli bereits 3,2 Millionen Follower auf Instagram dazugewonnen. Die italienischen Medien sprechen vom „neben Alboreto und Fagioli“, die britischen Kollegen nennen ihn „Baby Hamilton“. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 0,4 Sekunden Vorsprung auf dem Sektor mit den meisten Kurven, 325 km/h Spitze auf der Zielgeraden – und ein Lächeln, das selbst die erfahrenen FIA-Stewards kurz vor dem Interview unterbrochen haben, weil sie den Fahrerausweis noch einmal überprüfen wollten.
Am Sonntag um 09:00 Ortszeit geht’s los. Dann zeigt sich, ob der Rekord nur ein Feuerwerk war – oder der Startschuss für eine neue Ära. Für Sebastian Vettel ist der erste Rekord seines Landesmanns jedenfalls Geschichte. Und für Antonelli? „Ich will einfach nur die erste Kurve überstehen, dann sehen wir weiter.“
