19, Italienisch, siegessicher: antonelli stoppt verstappens china-triumph
Shanghai – 56 Runden, eine Safety-Car-Phase und ein Zwischenfall mit dem eigenen Teamkollegen: Andrea Kimi Antonelli hat beim Großen Preis von China alles richtig gemacht, was man mit 19 Jahren in der Formel 1 falsch machen kann. Der Rookie fuhr souverän auf die Pole, kontrollierte das Rennen und kreuzte als jüngster italienischer Sieger seit Giancarlo Fisichella 2006 als Erster über die Ziellinie. Der Mythos Red Bull? Geschichte. Mercedes ist zurück.
Das wolff-kalkül zahlt sich aus
Toto Wolff hatte vor drei Monaten gewettet, dass ein Teenager, der noch keine Super-Lizenz besaß, Lewis Hamiltons Cockpit füllen könne. Die Twitter-Trolle lachten. Nun schickt Wolff ein Foto in die Team-WhatsApp: Antonelli mit der Trophäe, daneben die Stopuhr – 1:35.402 Minuten Rundenrekord. Die Botschaft: Timing schlägt Erfahrung. Dabei wäre der Brite fast zum Zug gekommen. In Runde 38 rutschte Verstappennach einem Fehlstart am Safety-Car vorbei, rammte den hinteren Flügel des Silberpfeils, musste mit einem Platten in die Box. Der Niederländer wurde Neunter, verliert die WM-Führung.
Antonelli selbst blieb kalt. „Ich hab nur auf meine Ingenieursanzeige geschaut – Reifen links 92 Grad, rechts 89, alles im Fenster“, sagte er im Zielinterview. Dino Chiesa, sein ehemaliger Kart-Mentor und jener Mann, der einst Hamilton und Rosberg aufgebaut hat, stand hinten in der Garage und weinte. „Er war immer der Kleine im Feld, jetzt ist er der Maßstab“, sagt Chiesa.

Der italienische dürre ist vorbei
18 Jahre, 7 Monate und 12 Tage – so lange musste das Land auf einen Grand-Prix-Sieg warten. In der FIA-Statistik taucht seit Montag wieder ein roter Eintrag auf. Sportminister Andrea Abodi twitterte sofort ein Foto von sich mit der italienischen Flagge und dem Kommentar: „Jetzt wissen wir, warum wir die EURO 2024 verpasst haben – das Karma war für Kimi reserviert.“ Die Tifosi feierten bis in die Nacht auf der Via Roma in Bologna. Auto-Alarme heulten, Polizei schickte Verstärkung – es roch nach Benzin und Espresso.
Die nächsten Rennen? Antonelli führt die WM mit 14 Punkten Vorsprung auf Norris. Die Strecke in Miami liegt ihm – dort gewann er 2023 in der F3 mit 34 Sekunden Abstand. Und sein Teamkollege Russell? Der musste sich nach dem Kontakt mit Verstappen mit Platz vier begnügen, kassierte aber fünf Strafsekunden. Intern heißt es: Der interne Kampf beginnt erst. Doch der 19-Jährige hat bereits bewiesen, dass er nicht nur schnell ist – sondern auch dann gewinnt, wenn die Konkurrenz auf Speed dialt.
