17-Jähriger kölner wirft sich in die karibik – los angeles dodgers ziehen ihn in ihr reich

Mit 1,97 m, Linkshand und 160 km/h im Schulterblatt packt Tom Apfelbaum die Welt in einen Ledersack und schleudert sie über den Atlantik. Sein Ziel: Akademie der Los Angeles Dodgers in der Dominikanischen Republik. Sein Preis: Familie, Freunde, deutsches Abitur – alles auf eine Karte.

„Ich war fünf, als ich wusste, dass ich irgendwann auf dem Mound stehen werde“, sagt er, während er in der Halle an der Venloer Straße einen Fastball nach dem anderen durch das Fangnetz jagt. Die Kugel pfeift, das Holz klirrt, die Uhr stoppt bei 148 km/h. Kein Wunder, dass die Scouts der Dodgers aufmerksam wurden. Seit Januar trainiert Apfelbaum dort, wo andere Urlaub machen.

Sechs stunden dampf, dann abi-stoff im zwischenhalt

Morgens um sieben geht’s auf den Sandplatz von El Toro, mittags folgt Gewichtszirkel und Videoanalyse. Ab 16 Uhr sitzt der 17-Jährige mit Laptop und Headset im Wohncontainer, zoomt sich in die Oberstufe des Ernst-Barlach-Gymnasiums. „Mathe-LK online ist surreal, wenn draußen Palmen rauschen“, lacht er. Dennoch: 2025 will er das Abitur in den Tasche haben – parallel zur Karriere, nicht stattdessen.

Die Dodgers verstehen diesen Doppelpass als Investition. Pitcher mit seiner Größe und seiner linken Hand sind auf dem Weltmarkt rar. In der Akademie teilt er sich das Zimmer mit drei Dominikanern, die seit ihrem zehnten Lebensjahr nur ein Ziel kennen: Major League. Die Konkurrenz schläft neben ihm, träumt denselben Traum. „Wenn du hier nicht morgens um fünf aufstehst, bist du abends weg“, beschreibt er die Hierarchie.

Verlust und gewinn in einem aufwärtshaken

Verlust und gewinn in einem aufwärtshaken

Die Mutter bleibt in Köln, der Vater fliegt jedes zweite Wochenende über den Teich. WhatsApp-Videos von den Baseball-Turnieren der Cardinals-Jugend schickt ihm die alte Mannschaft. „Manchmal schaue ich die Clips dreimal hintereinander, nur um das Heimspielgefühl nicht zu verlieren“, gibt er zu. Dafür lernt er Spanisch, isst Mangos statt Mettbrötchen und weiß: Wer jetzt zurückblickt, verliert Velocity auf dem Radar.

Die Geschwindigkeit steigt. Trainer haben ihm ein Ziel gesetzt: 155 km/h bis September, 160 bis zur Winter-Liga. Die Zahl klingt nach Ingenieurswesen, ist aber seine Visitenkarte für ein Visum in die USA. Schafft er den Sprung ins Spring-Training 2026, wäre er der dritte Deutsche in der Geschichte der Dodgers-Organisation. Kein deutscher Pitcher war je so jung, so groß, so schnell.

Am Flughafen von Punta Cana steht ein Poster mit seinem Gesicht: „¡El gigante alemán!“ Die Werbeabteilung des Klubs hat schon verkauft, was noch gar nicht eingetroffen ist. Apfelbaum lacht, zieht die Kappe tiefer und checkt ein für den nächsten Flug nach Santo Domingo. „Ich habe 60 Jahre Karriere vor mir, wenn alles klappt“, sagt er. Dann holt er aus – nicht mit dem Ball, sondern mit dem Satz: „Und wenn nicht, war es trotzdem der beste Schritt meines Lebens.“