16 Tore, ein lachen – und trotzdem nur rang 18: viggos torfestival und die legende, die ihm davonflog

Viggo Kristjansson lachte sich scheinbar die Seele aus dem Leib, als er am Samstag zum 16. Mal gegen GWD Minden einnetzte. Doch hinter dem strahlenden Isländer lauert ein Makaberes: Selbst diese Gala reicht nur für Platz 18 in der ewigen Bestenliste – und die Spitze liegt fünf Treffer weg, ein Abgrund in der Handball-Welt.

Stefan schröder bleibt der unantastbare könig

Am 6. Juni 2009 schleuderte der Rechtsaußen des HSV Hamburg den Ball 21 Mal ins Netz des strauchelnden Stralsunder HV. 43:16 stand es am Ende, und Schröder spielte sich mit jedem Wurf ein Stück tiefer in die Geschichtsbücher. Sein Rekord ist heute, 16 Jahre später, noch immer ein Monolith – kein Bundesliga-Profi konnte ihn stürzen.

Die Verfolger heißen wie aus einem Retro-Katalog: Herbert Lübking warf 1969 20 Mal für Grosswallstadt, Jerzy Klempel 1983 19 Mal für Frisch Auf Göppingen. Dahinter tummeln sich sechs Spieler mit 18 Treffern, darunter Anders Eggert und Michael Kraus. Die 17-Tore-Fraktion umfasst acht Namen – und nun, mit 16 Buden, folgt Kristjansson als Solitär auf Rang 18.

Die statistik nagt an der euphorie

Die statistik nagt an der euphorie

Der isländische Linkshänder hätte gegen Minden noch zwei weitere Siebenmeter verwandeln müssen, um Klempel zu erreichen – fünf, um Schröder zu bedrängen. Die Zahlen wirken wie ein kalter Windstoß nach dem sonnigen 36:31-Sieg. Denn in der Handball-Bundesliga zählt nicht nur der Sieg, sondern auch die unerbittliche Excel-Tabelle der Liga.

Doch Kristjansson kann tröstlich nach vorn blicken: Er ist 24, seine Schultern sind frei von Rekorddruck. Schröder war beim Rekord 27, Lübking 25, Klempel 26. Zeit ist ein guter Mitspieler – und Erlangen ein Team, das ihm Raum lässt für solche Eskapaden.

Am Ende bleibt eine ironische Weisheit: Um in die Top Ten einzuziehen, muss Kristjansson am nächsten Spieltag fast schon wieder zuschlagen. Die Liga dankt es ihm mit einem Eintrag – und den Gegnern mit noch mehr Respekt.