16 Stunden auf der flucht: munir rast mit dem auto aus dem iran nach europa
Statt Flugzeug Schaltgetriebe: Fußballer Munir El Haddadi hat sich aus Teheran mit einem Club-auto bis an die türkische Grenze gekämpft – 1.300 Kilometer durch Krisengebiet, ohne Gewissheit, ob die nächste Tankstelle noch offen hat.
Der sturm auf die straße begann vor dem sturm am himmel
Als die ersten Raketen die Startbahn des Imam-Khomeini-Flughafens trafen, stand der 29-Jährige mit Boarding-Pass in der Hand. Sekunden später war der Luftraum gesperrt. „Zurück ins Hotel? Nie wieder“, sagt Munir im Exklusiv-Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. Er klappte den Beifahrersitz nach vorn, lud zwei Koffer, Medikamente und Wasser ein – und trat durch.
Der Flügelstürmer, einst Barças Goldjunge, war erst im Januar nach Iran gewechselt, weil Esteghlal ihm eine Schlüsselrolle und ein fettes Gehalt versprach. Nun wurde das Land zur Falle. Zwischen Stopps an checkpoints und umleitenden Militärkonvois stoppte er alle vier Stunden, um via Satellit seinen Standort an die Klubjuristen zu senden. Die Antwort: „Weiter, Kostenübernahme läuft.“

Die rechnung für eine rettung: 180 liter benzin, zwei reifepanzern und ein neuer pass
In Van kaufte Munir türkische SIM-Karten, in Erzurum neue Winterreifen. Die 16 Stunden wurden zu 22, weil Grenzbeamte jeden Profivertrag zweimal lasen. „Ich habe Titel gewonnen, aber dieses kleine Stempelchen war mein wertvollster Sieg“, sagt er lachend, während er auf WhatsApp ein Foto schickt: Da schlängelt sich seine Autobahn direkt neben Wolkenkratzern, die in der Morgensonne glitzern – Istanbul.
Seine Familie wartete bereits in Madrid. Die Rückkehr ins Estadio Ramón de Carranza? Noch offen. Sevilla hält ein Angebot bereit, auch Real Betis soll lauschen. Doch zuerst will er schlafen. „72 Stunden“, sagt er. „Dann schaue ich, wo meine Fußballstiefel landen.“
Die Botschaft ist klar: Ein Transferfenster kann man mit Fax erledigen – oder mit Vollgas und 140 Stundenkilometern auf der alten Silk Road. Munirs Vertrag in Teheran ist auf Eis gelegt, sein Marktwert nicht. Und die Europa League? Die holte er sich 2020 schon mal in Köln. Vielleicht ist das nächste Abenteuer nur einen Flug oder eben 1.300 Straßenkilometer entfernt.
