100 Jahre bongio: italiens basketball-legende feiert jahrhundert-milestone
Er wollte Fußballer werden, doch der Basketball hatte andere Pläne für ihn. Heute, am 4. März 2026, wird Giorgio „Bongio“ Bongiovanni 100 Jahre alt – und damit zum lebenden Zeitzeugnen einer Epoche, in der der italienische Sport noch aus Eisen, Stoff und Herz bestand.
Geboren 1926 in Bologna, trug Bongiovanni 50 Mal die azzurra, erzielte 223 Punkte für die Nazionale, holte 1951 in Alexandria Bronze bei den Mittelmeerspielen und warf sich mit seiner Generation in die ersten europäischen Schlachten, als Trikots noch aus Baumwolle waren und Reisen per Bahn statt per Charter stattfanden.
Franca, die mitspielerin fürs leben
Bei einem Nationalteam-Lehrgang in Roseto degli Abruzzi lernte er Franca Ronchetti kennen: 29 Länderspiele, 72 Punkte, sieben italienische Meisterschaften, Schwester der legendären Liliana. Sie wurde seine Gegenspielerin im Spiel der Liebe, 73 Jahre lang. „Wir sind nie mehr auseinandergegangen“, sagte er dem Corriere della Sera, „außer beim Sprungball.“
Der Weg führte das Paar nach Turin. Dort baute Bongio an der RIV erst als Kapitän, dann als Spieler-Coach ein Imperium aus Pick-and-Roll und Disziplin. Als der Klub 1966 aus wirtschaftlichen Gründen die Segel streichen musste, wechselte er zum Cus Turino, fertigte selbst Trainingspläne mit der Schreibmaschine, bastelte an Taktikbrettern aus Sperrholz.

Vom feld bis zur familienbank
Nach Karriereende assistierte erValerio Gamba und Giancarlo Guerrieri an der Seitenlinie der Auxilium. Doch seine wahre Mission blieb die Jugend. „Jungen und Mädchen erklären, warum ein Pass schneller fliegt als ein Ego“, lautete seine Devise. Und die nächste Generation hört: Enkelin Giorgia gewann zwei Jugend-Scudetti in Campobasso. Die Familie ist noch immer auf dem Feld – nur die Schuhe sind leichter geworden.
Heute erhält Bongiovanni im Kreise von Vertretern des Regionalverbands, von Virtus Bologna und ehemaligen Teamkollegen wie Dino Meneghin und Renato Vecchiato Trikots mit der Nummer 100, Fahnen und Videobotschaften. Die Feier ist klein, aber laut ist der Applaus – ein donnerndes Danke für ein Jahrhundert Basketball, das Italien nicht nur Spiele, sondern eine Identität schenkte.
Der Ball rollt weiter. Der Mann, der ihn einst gegen Fußballhosen eintauschen wollte, hat ihn nie mehr losgelassen. Und wenn Giorgio Bongiovanni heute Abend die Kerzen ausbläst, wird der Wind pfeifen wie in der Halle von 1951 – nur diesmal klingt es nach 100 Jahren Sieg, Niederlage und unendlicher Leidenschaft.
