1. Fc köln: das mittelfeld versagt, die krise wächst
Zwei Siege in elf Spielen. Das ist die bittere Bilanz des 1. FC Köln seit Jahresbeginn – und wer glaubt, das Problem sitze in der Abwehr, schaut an der eigentlichen Wunde vorbei. Es ist das Mittelfeld, das die Geißböcke lähmt. Und es ist eine Offensive, die selbst bei optischer Überlegenheit kaum Gefahr erzeugt.
Ballbesitz ohne biss: was die zahlen wirklich verraten
13 Tore in elf Partien, 20 kassiert. Durchschnittlich 1,2 Treffer pro Spiel nach vorn – das klingt nicht nach Abstiegskampf, ist es aber. Denn die Tore fallen selten aus geordnetem Spiel heraus. Gegen Hoffenheim war es ein Fallrückzieher von Said El Mala, gegen Borussia Dortmund waren es Sololäufe von Jakob Kaminski in Unterzahl. Schöne Momente, keine Struktur.
Das Spiel beim Hamburger SV hat das Problem auf den Punkt gebracht: Köln dominierte die zweite Hälfte, der HSV brachte kaum noch etwas zustande – und trotzdem blieb es beim 1:1. Drei klare Torchancen laut kicker-Statistik. Nach El Malas Ausgleich kurz vor der Pause war der nächste Kölner Abschluss ein Kopfball von Eric Martel in der Nachspielzeit. Das war alles.

Das loch im zentrum, das niemand stopfen kann
Trainer Lukas Kwasniok hat in dieser Saison sein Mittelfeld mehrfach umgebaut – nicht aus taktischer Überzeugung, sondern aus purer Not. Martel und Isak Johannesson, die gesetzten Kräfte im Zentrum, steckten zuletzt in Formtiefs. Die Konsequenz war absurd: Linksaußen Kaminskimusste vorübergehend als Sechser ran. Tom Krauß, der gerade aufblühte und seine Stärken in Umschaltsituationen ausspielte, wurde wegen Personalmangels zum Rechtsverteidiger umfunktioniert.
Die Zahlen dieser drei Mittelfeldakteure sprechen eine klare Sprache: jeweils ein Tor und zwei Vorlagen für Martel und Johannesson, eine Vorlage für Krauß. Reichlich wenig für Spieler, die das Spiel des FC tragen sollen. Einleitende Aktionen, die Chancen erst entstehen lassen, sind selten. Johannesson schlug in Hamburg die Ecke, die zum Ausgleich führte – das war einer der wenigen Momente, in denen er wirklich Einfluss nahm.

Ragnar ache und der lange ball ins nirgendwo
Was Kwasnioks Team im Aufbau macht, ist symptomatisch für die Ratlosigkeit: Der lange Ball auf Stoßstürmer Ragnar Ache ist zur Standardlösung geworden. Ache soll einrückende Mitspieler einsetzen, Kombinationen einleiten. Gelingt es dem FC überhaupt, bis ins letzte Drittel vorzudringen, versanden die Angriffe meist ohne Abschluss. Nur in drei der elf Partien seit Neujahr erzielte Köln mehr als einen Treffer. Drei von elf.
Das ist die eigentliche Krise – nicht die Tabelle, nicht die Gegentore. Köln ist nie völlig abgemeldet, hat häufig sogar mehr Ballbesitz als der Gegner. Aber aus diesem Besitz wird nichts gebaut. Gegen Augsburg beim 0:2 waren es ebenfalls nur drei Möglichkeiten gegen biedere Hausherren. Der Aufsteiger läuft viel, kontrolliert Phasen – und trifft trotzdem nicht.

Felipe chavez als letzte hoffnung vor dem duell mit gladbach
Im Januar verpflichteten die Kölner Felipe Chavez, eine Leihgabe des FC Bayern. Ein Talent, das genau in dem Bereich Qualitäten mitbringen soll, wo der FC derzeit am meisten leidet: kreative Verbindungen im Zentrum, Bewegung zwischen den Linien. Ob er gegen Borussia Mönchengladbach im Rheinischen Duell eine Rolle spielen wird, bleibt offen.
Kwasniok muss vor diesem Spiel Antworten finden, die er bisher schuldig geblieben ist. Der dritte Saisonsieg seit Jahresbeginn ist dringend nötig – und er wird nicht durch Einzelaktionen fallen. Köln braucht ein funktionierendes Mittelfeld. Das ist die einfachste und gleichzeitig schwierigste Erkenntnis dieser Krise.
